Dr. med. Eckart von Hirschhausen, ein Kollege sozusagen, hat ADHS! Auf Stern.de schreibt er:

Heute keine Kolumne. Sondern ein Bekennerbrief zur Aufmerksam-keitsstörung – Attention deficit disorder. Nicht verbunden mit Hyperaktivität, nur im Kopf. Ich hab das. In milder Form. Und ich lebe sehr gut damit.

Ich finde es gut, wenn sich öffentlich präsente Personen dazu bekennen, denn dadurch begreift die Öffentlichkeit, dass ADHS weit verbreitet ist, dass man es aber trotzdem zu etwas bringen kann. Hirschhausen ist da das perfekte Beispiel, wie ich finde. Und sein “Bekenntnis” (klingt schon fast nach einem Verbrechen o. ä.)  macht ihn mir gleich noch sympathischer. Da sag ich doch einfach mal:

Verpeilte Grüße!

Die Proteste im Iran zeigen, wie wichtig die Möglichkeiten des Web 2.0 werden können. Nämlich dann, wenn es nicht möglich ist, auf normalem Wege an Informationen über die Geschehnisse in einem Land heranzukommen. Freilich hat es die Führung des Irans nicht gerne, wenn sich Bilder der Massenproteste in aller Welt verbreiten. Dass sie dies zu unterdrücken versucht, war zu erwarten. Und dennoch gelang und gelingt es Menschen, über YouTube, Facebook und andere mit dem Ausland zu kommunizieren. So dass diese spärlichen Bilder in so mancher Nachrichtensendung das einzige Bildmaterial aus dieser Region darstellen.

Es ist nicht immer nur ein Segen, dass jeder seinen Senf im Internet irgendwo dazu geben kann (ich als Blogger tu es allerdings auch) oder die Welt an privaten Details teilhaben lassen kann, doch gäbe es dieses Web 2.0 nicht, hätten wir noch weniger oder kaum Information aus dem Iran. Das finde ich irgendwie bemerkenswert.

Siehe z. B. HIER

Ja, es ist wahr, seit ein paar Tagen habe ich auch die mündliche Prüfung erfolgreich hinter mich gebracht. Somit habe ich meinen Abschluss jetzt in der Tasche. Endlich – nach über 6 Jahren Studium – darf ich mich nun Arzt nennen. Trotzdem fühle ich mich nicht anders als vorher, wahrscheinlich braucht es noch ein bisschen, bis ich’s realisiert habe.

Jedenfalls mache ich jetzt erst mal nichts. Und dann werde ich mal meinen Senf zum Medizinstudium in Jena dazugeben. Da gibt es nämlich noch einiges (nicht unbedingt Positives) zu sagen.

Wetterfühligkeit ist zwar keine Erkrankung, aber dennoch weit verbreitet. Es gibt sogar einen Fachbegriff dafür: Meteoropathie. Ich habe bei mir und auch bei Personen meiner Familie und Freunden beobachtet, dass gerade bei Luftdruckschwankungen Beschwerden wie bleierne Müdigkeit, Antriebs- und Konzentrationsstörungen auftreten/sich verstärken können. Symptome, die bei Anderen nicht in dieser Häufigkeit und unabhängig vom Wetter auftreten (wenn überhaupt). Ich glaube, dass diese erhöhte Anfälligkeit für einen Wetterwechsel bei ADHSlern häufiger auftritt, vielleicht aufgrund einer generell veränderten Körperwahrnehmung. Bis jetzt hab ich noch nichts zu diesem Thema im Netz gefunden.

Als die Mauer an der deutsch-deutschen Grenze fiel, war ich gerade mal sieben Jahre alt. Daher kann ich mich nicht mehr genau dran erinnern. Aber ich weiß, dass es für die Menschen der DDR ein enorm bewegendes Ereignis war, wohl auch, weil keiner damit rechnen konnte. Man muss sich mal vorstellen, was es bedeutet, Jahre lang so gut wie eingesperrt zu sein in einem Überwachungsstaat ohne Meinungsfreiheit und einem System, das kaum freie Entfaltung ermöglicht. So erlebten es viele Menschen, und ich kann mir es nur schwer vorstellen, wie das gewesen sein muss.

Anlässlich des 60-jährigen Bestehens der Bundesrepublik Deutschland hat die ARD eine sehr zu empfehlende Sendereihe produziert, die jedes einzelne Jahr BRD-Geschichte dokumentiert. Ich habe noch lang nicht alle Sendungen gesehen, aber von den bisherigen fand ich das Jahr 1989, das Jahr des Mauerfalls, am ergreifendsten. Besonders den Moment, in dem Hans-Dietrich Genscher die Ausreisegenehmigung an die ostdeutschen Flüchtlinge in der Prager Botschaft verkündet. Schon ein bisschen Wahnsinn. Wer diese Bilder noch nicht kennt, der sollte sich das unbedingt anschauen (Link unten).

Der Mauerfall und die Deutsche Einheit waren ein Sieg der Freiheit und  der Demokratie. Wie gesagt, ich selbst war damals noch zu klein, um genügend Erinnerungen aus dieser Zeit zu haben. Aber ein paar Erinnerungen aus der DDR an sich habe ich natürlich trotzdem, und ich werde sie wahrscheinlich demnächst hier auf dem Blog einmal niederschreiben …

Das Jahr 1989 (hier klicken)

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Auch noch interessant:

Doku von Spiegel-TV mit vielen Originalaufnahmen am Ort des Geschehens

und

Deutsche sind stolz auf ihr land (Zeit Online):

>>Die unterschiedlichen Ansichten zwischen Ost- und Westdeutschen in Bezug auf die demokratischen Werte sind äußerst gering.<<

>>Wie es im Untersuchungsbericht der Konrad-Adenauer-Stiftung heißt, legen die Ergebnisse den Schluss nahe, dass die Linke “nicht wegen, sondern trotz ihrer politischen Forderungen” aus Protest unterstützt wird.<< (interessant, weil es gerade im “Osten” viele Anhänger der Linken gibt)

Ja, es ist geschafft, und ich hab es irgendwie noch gar nicht richtig realisiert: Die schriftlichen Prüfungen sind bestanden (noch nicht offiziell, aber inoffiziell weiß ich es schon)! Ich freue mich, aber im Moment bin ich noch ein bissl KO. So richtig bei mir ankommen wird es erst in den nächsten Tagen, dass ich  jetzt zur Hälfte meinen Abschluss in der Tasche habe (es kommen ja noch die Mündlichen). Irgendwo Wahnsinn!

Und gleichzeitig macht mich das auch etwas nachdenklich: Das schöne Studentenleben wird bald vorbei sein. Leute, die man sonst fast jeden Tag  zwangsläufig gesehen hat, weil man Seminare oder Vorlesungen mit ihnen zusammen hatte, wird man bald nicht mehr sehen. Sich einfach mal auf einen Kaffee in der Mensa treffen oder abends zum Grillen (und Chillen) in den Park gehen oder einfach mit ein paar Leuten auf den Campus in die Sonne setzen (selbst wenn’s zur Klausurvorbereitung war) – dazu werden bald Zeit und Möglichkeiten fehlen, und ich vermisse es jetzt schon.

Es heißt ja, die Studentenzeit sei die schönste Zeit im Leben. Wahrscheinlich ist es auch so. Wir hatten oft viel Stress, denn eigentlich stand immer irgend ein Testat, Kolloquium oder eine Klausur an. Und im Nachhinein frage ich mich, hätte ich die Zeit nicht noch intensiver “ausleben” können. Aber eigentlich ging es nicht anders. Trotz aller Lernerei bleiben einem aber nicht die Tage in Erinnerung, an denen man früh aufstand, um in die Bücher zu kucken, und abends erschöpft ins Bett fiel. Sondern die Tage, an denen man etwas mit Freunden unternommen hat und Spaß hatte, die Tage, an denen wirklich was “passiert” ist.  Auch das Gefühl von Unabhängigkeit und Freiheit.  Die Verbundenheit mit “Gleichgesinnten” und allen, die dieselben Strapazen durchmachen mussten, aber auch die Vielfalt der interessanten Menschen, die man kennen lernen konnte. Und vor allem die Freundschaften, die sich daraus entwickelten. Die sind zusammen mit den Erinnerungen das Wertvollste, das ich aus dieser Zeit mitnehme.

Nun gehöre ich langsam zu den alten Hasen, und es ist manchmal schon ganz lustig, wenn man auf ein paar “Ersties”¹ trifft, die noch völlig orientierungslos sind und evl. mit der Mama auf Zimmersuche in einer WG gehen. Ja, so war ich wohl auch mal – damals.

Ich weiß nicht, ob man diese ganzen Erfahrungen einigermaßen gut beschreiben kann, aber ich glaube, dass man es eigentlich erlebt haben muss, um zu wissen, wie es ist, ein Student zu sein. Deshalb kann ich jedem, der vor einem Studium steht, nur sagen: Versuche es, so gut es geht zu genießen! Stress hat das Leben nämlich noch genug.

Naja, heute hab ich erstmal gefeiert, und die nächsten Tage gönn’ ich mir etwas Ruhe. Was mach ich nur mit so viel Freizeit? Mir wird schon was einfallen. Und dann heißt es nochmal ein paar Wochen pauken für die Mündlichen, bis dann auch diese Hürde geschafft ist…

[1] Ersties sind Studenten im ersten Semester (oder noch vor Beginn desselben).

Ich bin ja zur Zeit nicht allzu aktiv, was das Bloggen angeht. Aber auf meinen “Stamm-Blogs” bin ich trotzdem noch unterwegs. Bei Achter und Elphaba ging’s vor Kurzem um eine Auseinandersetzung mit der Schöpfungsgeschichte und sozusagen ihrem Gegenstück, der Evolutionstheorie. Dazu sind mir spontan zwei Fragen eingefallen, die mir bis jetzt niemand beantworten konnte:

Zunächst mal finde ich es ziemlich unfair (wenn ich das mal so sagen darf), dass das Christentum jedem Menschen quasi eine Drohung ausspricht: “Wenn Du nicht an Gott glaubst, dann kommst Du in die Hölle.” Ein ganz schön fieser Trick, wenn man sich noch nicht richtig für oder gegen einen Glauben entschieden hat oder am Zweifeln ist. Ich frage mich aber: Hätte es ein allmächtiges und großherziges Wesen wie Gott (wenn es ihn gäbe) nötig, die Menschen mit dieser Panikmache an sich zu binden?

Wenn man die Existenz Gottes ohnehin anzweifelt, erübrigt sich natürlich die Frage, denn ohne Gott im Himmel dürfte es die Hölle eigentlich auch nicht geben. Aber vielleicht irre ich mich da.

Die zweite Frage betrifft die Schöpfungsgeschichte: In jeder mir bekannten Darstellung von Adam und Eva sind die beiden Weiße. Adam und Eva, dargestellt als ein farbiges Paar, scheint es nirgends zu geben. Sollten wir alle also von ihnen abstammen, wie kam es dann zur Existenz von Dunkelhäutigen und anderen Menschenrassen auf der Erde? Eine recht banale Frage, die aber wohl kein Christ beantworten kann. Müsste sich nicht auch der Papst diese Frage stellen, wenn er in der Welt herumreist und überall seinen Segen ausspricht? Ich würd’s gern verstehen. Aber ich kenne mich nicht aus mit der Bibel. Vielleicht findet sich ja ein Christ, der mir meine Fragen beantworten kann.

P. S.: Auch wenn ich nicht an Gott glaube, die Fragen sind ernst gemeint, weil ich nicht verstehe, dass ein Christ mit derartigen Diskrepanzen in seinem Glauben ohne Weiteres zurecht kommen kann. Und das sind nicht die einzigen “Ungereimtheiten”.

Da ich aktuell nicht so viel Zeit habe, nur ein verlinkter Artikel zum leidigen Thema “ADHS und Schlaf”:

Montréal – Kinder mit dem Aufmerksamkeitsdefizit- und Hyperaktivitätssyndrom (ADHS) haben offenbar einen weniger erholsamen Schlaf als andere. Dies zeigt eine Untersuchung in Sleep (2009; 32: 343-350).
[...]
Mit einem portablen Polysomnografen konnten Reut Gruber und Mitarbeiter von der McGill Universität in Montréal erstmals Kinder mit ADHS in ihrem heimischen Schlafzimmer untersuchen. Dabei stellten sie fest, dass die Kinder einen kürzeren und weniger erholsamen Schlaf haben.

HIER weiterlesen!

Mich betrifft dieses Problem ebenfalls. Hier habe ich z. B. schon mal über meine Erfahrungen mit Melatonin berichtet. Nicht erholsamer Schlaf (mein  Schlafproblem) kann eine wirkliche Plage sein und einem den ganzen Tag vermiesen. Natürlich wirkt sich die schlechte Schlafqualität auch auf ADHS-Symptome aus, die dadurch verschlechtert werden.

Dass es einen Zusammenhang zwischen ADHS und verschiedenen Schlafstörungen gibt, habe nicht nur ich schon länger vermutet. Dennoch scheint man noch nicht genug über die Ursachen zu wissen, um kausal daran anzusetzen. Deshalb freut es mich, dass sich diese Studie dem Thema gewidmet hat. Der Nachweis eines Zusammenhangs ist ja meistens der Anfang bei der Suche nach seinen Ursachen.

Angeregt durch sunny’s letzten Artikel möchte ich mich heute dem Thema Epigenetik widmen. Die Epigenetik ist ein junges wissenschaftliches Fach, und dennoch schon sehr umstritten. Das liegt daran, dass in ihr ein gewisses Konfliktpotential liegt, da ihre Erkenntisse möglicherweise ein Umdenken in Naturwissenschaften bedeuten könnten. Nicht zuletzt wird sie von einigen Wissenschaftlern quasi als “Totschlagargument” genutzt, um nur wenig bis gar nicht überprüfbare Theorien zu begründen. Allen voran Psychoanalytiker, und hier vor allem auch ADHS-Gegner. Ich möchte hier einmal darstellen, warum die Bedeutung der Epigenetik – zumindest hinsichtlich psychischer Störungen – in meinen Augen überschätzt wird. Dass zu diesem Thema einiges gesagt werden muss, halte ich für dringend nötig. Typische Behauptung einiger Psychoanalytiker: Psychische Erkrankungen (wie eben auch ADHS) seien nur die Folge (vererbter) Traumata.

Zunächst einmal: Was bedeutet Epigenetik überhaupt? Hier möchte ich den Wikipedia-Artikel zitieren:

Die Epigenetik beschäftigt sich mit der epigenetischen Vererbung, d. h. der Weitergabe von Eigenschaften auf die Nachkommen-Organismen oder Nachkommen-Zellen, die nicht auf Abweichungen in der DNA-Sequenz zurück gehen, sondern auf eine vererbbare Änderung der Genregulation und Genexpression.

In der Epigenetik werden die molekularen Mechanismen erforscht, welche regeln, ob ein Gen gerade “angeschaltet” oder “ausgeschaltet” ist. Das heißt, ob ein Gen abgelesen wird, und zur Bildung von Eiweißen führt, die in der Zelle vorhanden sind, oder nicht. Jede Körperzelle eines Menschen besitzt dasselbe Erbgut. Da es aber unterschiedliche Zelltypen (z. B. Hautzelle, Muskelzelle, Nervenzelle etc.) gibt, werden immer nur bestimmte DNA-Abschnitte für die Funktion der Zelle benötigt, während die anderen ruhen. Der epigenetische Apparat regelt, wann welches Gen aktiv wird³.

“Nutznießer” der Epigenetik behaupten, dass über diese Mechanismen ein Einfluss der Umwelt auf die Gene stattfindet und so das Erbgut verändert wird. Nach dem Motto: Die Giraffe hat einen langen Hals, damit sie  besser an die Blätter von Bäumen kommen kann. So eine Aussage entspräche der Lamarckschen Theorie über die Evolution. Sie steht konträr zur Darwinschen Evolutionstheorie, nach der sich – um bei diesem Beispiel zu bleiben – der lange Hals von Giraffen durch Mutation und natürliche Auslese entwickelte, weil Giraffen mit längeren Hälsen bessere Chancen hatten als ihre Artgenossen, an Nahrung zu gelangen, und sich damit ihre Überlebenschancen erhöhten, so dass sie ihre Gene häufiger verbreiten konnten.

Tatsächlich wurde nachgewiesen, dass z. B. die Kinder von Müttern, welche in der Schwangerschaft eine Hungerperiode erlebten mussten, kleinere Kinder bekamen als normal, und auch deren Kinder wieder kleiner waren¹. Nun stellt sich die Frage: Ist dies eine Veränderung des Erbgutes? Das kommt darauf an, was man unter dem Begriff Erbgut versteht. Wenn er den epigenetischen Apparat mit einschließt, dann könnte man sagen ja. Wenn man darunter nur die DNA, also den genetischen Code, versteht, dann müsste man sagen nein. Denn was sich ändert, ist nur der epigenetische Apparat, also die Information, dass wachstumsförderliche Gene weniger aktiv werden. Diese Information scheint in manchen Fällen mit vererbt zu werden. Das stellt allerdings keine Veränderung des genetischen Codes, also der DNA, dar. Es werden nur schon vorhandene Gene an- bzw. abgeschaltet und dieser Status (Gen ist an bzw. Gen ist aus) mit vererbt! Evolutionär gesehen konnte das durchaus in unserem Beispiel einen Vorteil gebracht haben (geringerer Nahrungsbedarf kleinerer Menschen in einem Gebiet/einer Zeit mit geringen Nahrungsmittelreserven).

Nun wird jedoch oftmals behauptet, auf genau die gleiche Weise könnten psychische Traumata das Erbgut verändern und somit das Trauma mit seinen negativen Folgen auf die nachfolgende Generation vererbt werden. Das Kind einer Mutter (bzw. eines Vaters), die in ihrem Leben ein psychisches Trauma erlebt hat (z. B. in Kriegszeiten), würde demnach an den Folgen des Traumas der Mutter leiden. Psychische Erkrankungen (wie ADHS) werden dann gerne auf eine in früheren Generationen erworbene Traumaerfahrung zurückgeführt. Diese Theorie hat allerdings logische Fehler, wie ich im Folgenden darstellen werde.

Zum einen müsste die Information einer psychischen Traumatisierung vom Gehirn der traumatisierten Person zunächst in die Keimzellen (Ei- oder Samenzellen) gelangen, denn das Kind bekommt nur über diese das Erbgut der Eltern. Eine solche Übertragung einer Information ist aber nur schwer vorstellbar. Sie könnte nur auf dem hormonellen Wege erfolgen, da es keine Nervenverbindungen zwischen Gehirn und Keimzellen gibt. Für so einen Mechanismus wurde noch kein eigenes Hormon entdeckt. Denkbar wäre allenfalls das Stresshormon Cortisol. Dieses könnte aber – wenn überhaupt – nur eine unspezifische Veränderung in Keimzellen hervorrufen, da es dem Körper die Information übermittelt, dass eine Stresssituation vorliegt, nicht  aber um welche Art von Stress es sich handelt. Eine Veranlagung zu einer spezifischen Symptomatik im Sinne einer Traumareaktion ließe sich aber hormonell nicht machen. Warum ein Kind gerade ADHS bekommt, während sich das andere nur immer “heimatlos fühlt”², wäre dadurch nicht erklärbar. Jede Spezifität eines Traumas ginge verloren. Und somit könnte es wiederum Stress jeglicher Art gewesen sein, der eine solche Reaktion hervorgerufen hat. Das psychische Trauma müsste also nicht mal der Auslöser sein. Zudem lässt sich hier auch nachvollziehen, dass selbst epigenetische Veränderungen im Gehirn (die es ja durchaus geben kann) kein Beweis für eine Vererbung dieser auf die Nachfolgegeneration sind.

Außerdem muss man sich überlegen, dass ein solcher Regulationsmechanismus einen evolutionären Vorteil dargestellt haben müsste, ansonsten hätte er sich nicht entwickelt. Ein evolutionärer Vorteil psychischer Erkrankungen erscheint jedoch ebenfalls zweifelhaft.

Bei Samenzellen kommt hinzu, dass sie durch die sog. Blut-Hoden-Schranke vom Blutkreislauf isoliert sind. Sie werden nur durch “Ammenzellen” ernährt, die kontrollieren, welche Substanzen zu ihnen überhaupt vordringen. Hormone dürften die Samenzellen eigentlich gar nicht erreichen.

Die rund 500 Eizellen einer Frau haben auch eine Besonderheit. Sie werden schon vor der Geburt angelegt und verharren in ein und demselben Zustand, bis sie mit dem Eisprung in die Gebärmutter wandern. Die Traumatisierung müsste also das Erbgut der Mutter nachträglich verändern, da sie ja schon voll entwickelt sind. Auf DNA-Ebene ist das nicht möglich. Eine epigenetische nachträgliche Veränderung erscheint aus den oben genannten Gründen eher abwegig.

Meine Betrachtung ist natürlich nicht in Stein gemeißelt. Niemand kann wissen, was in Zukunft noch entdeckt wird. Aber vor dem Hintergrund gewisser biologischer Kenntnisse erscheint eine Trauma-Vererbung äußerst zweifelhaft. Es muss ja schließlich alles irgendwo zusammenpassen. Besonders der fehlende evolutionäre Vorteil, der eine Selektion von Individuen hervorgerufen haben müsste, welche eine Trauma-Vererbung “eingebaut” haben, ist aus meiner Sicht nicht zu erkennen.

Es scheint, als ginge der fast schon vergessene “Kampf” zwischen Lamarckismus und Darwinismus mit der Epigenetik in eine neue Runde, in welcher gewisse Ideologien eine Rolle zu spielen scheinen.

[1] … Einen Beweis für diese Aussage konnte ich im Internet nicht finden, wäre aber prinzipiell wünschenswert. Diese Information habe ich aus einer TV-Sendung. Ein entsprechender Link kann gerne im Kommentarteil gepostet werden.

[2] … Wie in diesem Artikel zu lesen ist

[3] … Übrigens gar keine so neue Erkenntnis. Es ist schon lange bekannt, dass die Gene durch einen Regulationsapparat gesteuert werden. In letzter Zeit wurden nur weitere Mechanismen entdeckt bzw. einige Zusammenhänge aufgedeckt.

Als erstes möchte ich mich mal entschuldigen, dass ich in letzter Zeit so häufig über irgendwelche Psychothemen berichte. Ich stöbere halt öfter durchs Netz und dabei fallen mir doch immer wieder recht seltsame Dinge auf. Naja, diesmal kein richtiges Psychothema, nur ein kleiner Auszug über das Gehirn bzw. Träume.

Letztens begab ich mich mal wieder in die Bibliothek. Aus Interesse  am Thema Gehirn blätterte ich in einem Buch über Neurophysiologie und las ein wenig über die Themen Schlaf und Träume. Dort entdeckte ich folgende Passage, die ich eigentlich ganz amüsant finde:

“Die eigenartige und oft Ich-fremde psychologische Qualität von Träumen hat die Menschen aller Kulturen und Epochen fasziniert und zu – meist religiösen – Spekulationen veranlasst. Der letzte “Ausläufer” dieser religiös-spekulativ gefärbten Vorstellungen ist die psychoanalytische “Traumtheorie” S. Freuds. Erst durch Entdeckungen der psychosphysiologischen Traumforschung seit 1953 wurden viele der Träume vom Träumen ausgeträumt.”

Zur Erklärung: Ich bin kein Gegner Freuds an sich. Er hat sicherlich einige wichtige Erkenntnisse hervorgebracht. Aber einige Hypothesen aus  der Psychoanalyse erscheinen mir ein wenig suspekt. Und die Tatsache, dass sich diese nur schwer objektiv überprüfen lassen, macht’s nicht besser.

Quelle: Die Physiologie des Menschen, Schmidt, Thews, Lang, 28. Auflage, Springer-Verlag

Angeregt durch Elphabas philosophischen Beitrag über das Bewusstsein im Moment des Nichtbewussten (?), kam mir dieses kleine nicht weniger widersprüchliche Gedicht in den Sinn (Autor unbekannt, Quelle), einfach mal lesen! Verstehen zwecklos, aber auch unnötig:

Dunkel war’s, der Mond schien helle,
Schneebedeckt die grüne Flur,
Als ein Wagen blitzesschnelle
Langsam um die Ecke fuhr.

Drinnen saßen stehend Leute
Schweigend ins Gespräch vertieft,
Als ein totgeschossner Hase
Auf der Sandbank Schlittschuh lief.

Und der Wagen fuhr im Trabe
Rückwärts einen Berg hinauf.
Droben zog ein alter Rabe
Grade eine Turmuhr auf.

Ringsumher herrscht tiefes Schweigen
Und mit fürchterlichem Krach
Spielen in des Grases Zweigen
Zwei Kamele lautlos Schach.

Und auf einer roten Bank,
Die blau angestrichen war
Saß ein blondgelockter Jüngling
Mit kohlrabenschwarzem Haar.

Neben ihm ‘ne alte Schachtel,
Zählte kaum erst sechzehn Jahr,
Und sie aß ein Butterbrot,
Das mit Schmalz bestrichen war.

Oben auf dem Apfelbaume,
Der sehr süße Birnen trug,
Hing des Frühlings letzte Pflaume
Und an Nüssen noch genug.

Von der regennassen Straße
Wirbelte der Staub empor.
Und ein Junge bei der Hitze
Mächtig an den Ohren fror.

Beide Hände in den Taschen
Hielt er sich die Augen zu.
Denn er konnte nicht ertragen,
Wie nach Veilchen roch die Kuh.

Und zwei Fische liefen munter
Durch das blaue Kornfeld hin.
Endlich ging die Sonne unter
Und der graue Tag erschien.

Dies Gedicht schrieb Wolfgang Goethe
Abends in der Morgenröte,
Als er auf dem Nachttopf saß
Und seine Morgenzeitung las.

Ich schätze Joachim Bublath und sein Wirken im TV sehr. Knoff-Hoff habe ich schon als Kind gern geschaut (und das, obwohl ich damals überhaupt kein “West-Fernsehen” hätte sehen dürfen).

Bullys Parodie auf Bublath (hier “Magnetismus” und das Phänomen “Fahrstuhl”) finde ich sehr gelungen und einfach mal sehenswert:

Anscheinend funktionieren die Links nicht, deshalb hier noch einmal die Links:

http://www.youtube.com/watch?v=PJLWYh4Aorw

http://www.youtube.com/watch?v=EJ1s-O_vOwY

Nein, Wunder kann man auch mit Neuraltherapie nicht erreichen. Aber gegen bestimmte Schmerzen, vor allem Rückenschmerzen und Verspannungen hilft sie ganz gut. Das ist zumindest meine Erfahrung.

Vorgestern habe ich mir seit längerer Zeit mal wieder gesagt, ich will etwas mehr Sport treiben, zumal ich die meiste Zeit des Tages hauptsächlich sitzend verbringe. Also versuchte ich es mit ein wenig Krafttraining. Anscheinend habe ich mir aber dabei einen Nerv eingeklemmt, denn am Abend bekam ich Rückenschmerzen, die über die linke Schulterregion und die linke Seite bis vor zum Brustbein ausstrahlten. Ich konnte mich kaum noch richtig bewegen.

Also ging ich zu meinem Hausarzt, der nach genauer Lokalisation des Schmerzpunktes ein Lokalanästhetikum an diese Stelle spritzte. Seine neuraltherapeutische Ausbildung sei dafür sehr hilfreich gewesen, sagte er. Und tatsächlich dauerte es nicht lange, bis ich mich wieder einigermaßen normal bewegen konnte und die Schmerzen zumindest auf ein erträgliches Maß sanken. Ganz verschwanden sie erst am Abend.

Des Öfteren leide ich an Rückenschmerzen und Verspannungen, und fast genauso oft half die Neuraltherapie bei mir. Ich habe schon mehrere Möglichkeiten wie Finalgoncreme, Schröpfen oder Massagen ausprobiert, aber Neuraltherapie (grob gesagt das Spritzen eines Lokalanästhetikums an Schmerzpunkte) hilft tatsächlich am besten gegen einen muskulären Hartspann, auch wenn man über die Erklärung mit sogenannten Störfeldern sicher geteilter Meinung sein kann. Mir erscheint es plausibler, dass das Lokalanästhetikum den Teufelskreis aus Schmerz->reflektorischer Schonhaltung->Verkrampfung und Fehlbelastung der Muskulatur->Verstärkung des Schmerzes unterbricht. Aus eigener Erfahrung kann ich sagen, dass nicht nur der Schmerz nachlässt, sondern sich auch Muskelverhärtungen zurückbilden.

Ich finde meine kleine Geschichte deshalb hier erwähnenswert, weil ADHSler (ebenso Depressive) häufig über Rückenschmerzen klagen. Auch scheint Fibromyalgie häufig mit ADHS assoziiert zu sein, was nicht immer bekannt ist. Bei mir wurde diesbezüglich noch keine Diagnostik vorgenommen, aber theoretisch wäre das auch bei mir denkbar.

Interessant ist auch, dass man bei Fibromyalgie ebenfalls von einem in irgeneiner Weise gestörten Hirnstoffwechsel ausgeht, und dass niedrig dosierte Antidepressiva in vielen Fällen helfen sollen. Während man früher glaubte, Fibromyalgie beträfe nur Frauen nach den Wechseljahren, weiß man heute, dass Männer wie Frauen jeden Alters betroffen sein können.

Diese Frage habe ich in einem ADHS-Forum gestellt. Und ich erhielt teils verblüffende Antworten. Relativ schnell kamen die Antworten, die ich auch zunächst parat gehabt hätte:

  • Die Berichterstattung in den Medien liefert nicht immer ein angemessenes Bild.
  • Die Vorstellung, Kindern Psychopharmaka zu geben, erschreckt viele Menschen, was zur kritischen Einstellung beiträgt.
  • Wenn sie dann noch hören, dass es sich um amphetamin-ähnliche Medikamente handelt (wo die Assoziation zu Drogen nicht mehr weit ist), dann schlagen die Laien fast alle gleich die Hände über dem Kopf zusammen. (Trotzdem möchte ich anmerken, dass eine ordentliche Recherche im Rahmen einer Berichterstattung eigentlich den Unterschied zwischen angemessen dosierter Therapie und unkontrolliertem Drogenkonsum vermitteln können sollte)
  • ADHS ist ein komplexes Krankheitsbild, das nur durch eine ausführliche Untersuchung diagnostiziert werden kann, was nicht immer leicht ist.
  • Die Symptome kennt fast jeder von sich selbst, zumindest in geringer Ausprägung. (Trotzdem spielt das Ausmaß und das damit verbundene Leiden eigentlich eine Rolle)

Eines hat mich jedoch überrascht. Ich musste feststellen, dass selbst unter ADHSlern größere Uneinigkeit herrschte, als ich es vermutet habe. Und inzwischen bin ich davon überzeugt, dass auch diese Uneinigkeit erheblich zur Kritik an der Existenz und an der medikamentösen Therapie von ADHS beiträgt. Die ADHSler sind sich noch nicht einmal einig darüber, ob ADHS nun eine Krankheit ist oder nicht. Man muss dazu erwähnen, dass man sich nicht immer “krank” fühlen muss, um krank zu sein. Und Ausdrücke wie “geisteskrank” oder “verrückt” sind sowieso fehl am Platz. Aber wie sollen wir denn erwarten, dass Nichtbetroffene einigermaßen richtig bescheid wissen über dieses Syndrom, wenn wir selbst die verschiedensten Versionen erzählen? Wir brauchen uns eigentlich nicht wundern.

Leicht enttäuschte Grüße

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