Ich will jetzt gar nicht die Inhalte des sogenannten TV-Duells kommentieren, auch will ich nicht darüber urteilen, wer von beiden Duellanten mit seiner Mimik und Gestik besser punkten konnte oder wie modisch ich Merkels Kette oder Steinmeiers Krawatte fand.
Dieses TV-Duell wird als der Höhepunkt des Wahlkampfes angesehen, damit verbunden war und ist ein großes Engagement der Medien rund um diese neunzig Minuten. Manch einer hätte sich eher gewünscht, dass sich die Kandidaten lieber „zerfleischen“, andere waren froh darüber, dass es ein sehr sachliches Gespräch war. Für mich hatten diese Veranstaltung und das Drumherum auch einen gewissen witzigen Unterhaltungswert.
Es ist z. B. sehr interessant – wenn auch erwartet -, wie die Anhänger der beiden Parteien danach jeweils ihren eigenen Kandidaten als klaren Sieger sahen. Müntefering bezeichnete das Duell gleich mal als „Durchbruch“ für die SPD im Wahlkampf. Das mag er sich wünschen, aber trotz dass sich die Umfragewerte von Steinmeier nach dem Duell verbesserten, ein Durchbruch war es mit Sicherheit nicht.
Was ich auch interessant (und amüsant) finde: Nachdem uns die beiden Kandidaten sagten, was sie sagen wollten, sagen uns nun Andere, was die beiden uns eigentlich gesagt haben. Damit setzt sich das Duell fort, und jede Möglichkeit in den Medien wird dafür genutzt, die Meinung des Zuschauers im Nachhinein immer noch zu beeinflussen. Für die Oppositionsparteien war es natürlich ein schlechtes Duell, da sind sie sich sogar einmal einig. Herr Niebel von der FDP meinte gleich: „Es gibt nur einen Verlierer in diesem Duell, das deutsche Volk.“ Nun gut, ein bisschen Theatralik gehört sicherlich auch zum Geschäft.
Ob man sich nun schon entschieden hat, wen man wählen will oder nicht, muss man sich jedoch einfach überlegen: Was kann eigentlich alles passieren? So viele Möglichkeiten gibt es nämlich gar nicht. Wir haben fünf Parteien, die es höchstwahrscheinlich alle schaffen werden, wieder in den Bundestag einzuziehen. Der Kuchen muss also auf mehr Personen verteilt werden, als es vor ein paar Jahrzehnten der Fall war. Rein statistisch ist damit eine Regierung, die von zwei Parteien gebildet wird, nur wenig wahrscheinlich. Ich glaube, ich lehne mich nicht zu sehr aus dem Fenster, wenn ich prophezeie, dass den größten Teil des Kuchens die CDU/CSU bekommen wird. Ob die SPD das zweitgrößte Stückchen kriegt, ist zwar nicht sicher, aber ich gehe trotzdem mal davon aus. Der Rest verteilt sich mehr oder weniger gleichmäßig auf die drei jetzigen Oppositionsparteien.
Eine Koalition mit den Linken wird von Steinmeier ausgeschlossen, so dass – wenn man dem Glauben schenkt – Rot-Rot-Grün nicht in Frage kommt. Schwarz-Grün-Gelb („Jamaika-Koalition“) will die FDP nicht, also auch nicht so wahrscheinlich. Die CDU/CSU wird also aller Wahrscheinlichkeit nach in der Regierung bleiben und Merkel im Kanzleramt. Die Frage ist jetzt also nur noch: Mit wem? Und da gibt es eigentlich nur zwei wahrscheinliche Möglichkeiten, wenn sich das Wahlergebnis annähernd an die Umfragewerte hält: Entweder mit der FDP oder dann doch wieder mit der SPD, falls es für Schwarz-Gelb nicht reicht. Schwarz-Grün wird wohl noch weniger eine Chance auf Mehrheit haben als Schwarz-Gelb und „Schwarz-Dunkelrot“ kann man ausschließen.
Ich finde, die große Koalition hat in den vergangenen Jahren keine schlechte Arbeit geleistet. Aber ich denke, dass eine große Koalition auch lähmend wirken kann und klare politische Gegner die Politik mehr voran bringen könnten. Man muss sich also letztendlich als Wähler die Frage stellen: Will ich, dass die große Koalition weiter besteht? Dann ist es eigentlich egal, ob man CDU/CSU oder SPD wählt. Oder will ich, dass sich etwas ändert und die Politik effektiver wird? Das ginge allerdings halt nur mit Schwarz-Gelb, und ich müsste CDU/CSU oder FDP wählen. Gibt man seine Stimme der FDP, kann es allerdings passieren, dass man seine Stimme ganz knapp verschenkt hat, weil Schwarz-Gelb dann doch nicht zustande kommt, und einem die FDP in der Opposition nicht viel bringen wird.
Jeder soll das wählen, was er für richtig hält – gar nicht hinzugehen ist keine Alternative. Aber wenn man seine Stimme nicht verschenken will, geht es letztlich nur um die Frage: Schwarz-Gelb oder weiter Schwarz-Rot?
P. S.: Noch eine Anmerkung zu den Medien: Wer sich darüber aufregt, dass im TV-Duell gewisse Themen ausgespart geblieben sind, der sollte sich dessen bewusst sein, dass die Kandidaten nur Gelegenheit hatten, auf die Fragen der Moderatoren zu antworten. Das heißt, was nicht von ihnen gefragt wurde, konnte auch nicht zum Thema werden. Den Kandidaten kann man da eigentlich keine Schuld geben.