Ich habe mir heute „Der Baader Meinhof Komplex“ im Kino angeschaut und möchte hier meine ersten Eindrücke niederschreiben.
Zunächst zum Film selbst: Ich empfand diesen Film als sehr realitätsnah dargestellt. Das kann ich, denke ich, sagen, obwohl ich diese Zeit nicht selbst miterlebt habe. Vor allem die Brutalität, die sowohl auf Seiten der Terroristen als auch auf Seiten des Staates stattfand, wirkte sehr authentisch. Ob man diesen Film wirklich schon ab 12 Jahren frei geben sollte, bin ich mir nicht ganz sicher. Auch die Handlung scheint nah an der Realität zu sein, wie mir mein Vater (er erinnert sich noch gut an diese Zeit) bestätigte.
Die schauspielerische Leistung der Darsteller gelang meiner Meinung nach Moritz Bleibtreu (Andreas Baader), Nadja Uhl (Brigitte Mohnhaupt) und Johanna Wokalek (Gudrun Ensslin) sehr gut. Die übrigen Schauspieler empfand ich als eher durchschnittlich.
Irgendwie wirkte der Film im Filmischen jedoch wieder einmal „typisch deutsch“. Ich weiß selbst nicht, was das genau bedeutet. Liegt es an der Kameraführung, an der Bildqualität oder am zur Verfügung stehenden Geld? Man hat dem Film irgendwie wieder angesehen, dass er kein Hollywood-Streifen ist. Das soll nicht falsch verstanden werden: Ich brauche keine Special-Effects, besonders viel Action oder eine heroische Ausstrahlung der Hauptfigur, damit ein Film für mich gut ist. Aber die deutschen Filme wirken auf mich oft ein bisschen „unsauber“, mit etwas zu wenig Leidenschaft gedreht (nicht gespielt) – ich kann’s nicht besser ausdrücken, was ich meine. So jedenfalls auch dieser Film, naja, egal.
Nun zur Handlung: Hier sind wir eigentlich an einem Punkt, zu dem ich gar nicht so viel sagen kann. Das Thema Rote Armee Fraktion wurde in meiner Schulzeit leider nicht behandelt, weder im Geschichtsunterricht, noch z. B. in Gemeinschaftskunde. Unser Geschichtsunterricht im Abitur endete mit dem Zweiten Weltkrieg. Sachsen soll ja das beste Bildungssystem Deutschlands haben, aber das ist ein eindeutiges Manko, vor allem weil gerade die Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg auf unser aller Leben den größten Einfluss hat!
Umso mehr begrüße ich es, dass man sich Hintergrund-Informationen (PDF) kostenlos herunterladen kann. Auf S. 34 gibt es dort auch weitere Links im Internet. Meine Wissenslücke zu diesem Teil deutscher Geschichte werde ich in nächster Zeit schließen.
Die Handlung wirft bei mir natürlich ein paar „philosophische“ Gedanken auf. Ohne Zweifel kann man gewisse Überzeugungen, die die Terroristen hatten, verstehen. In erster Linie wollten sie einen Kampf gegen Ungerechtigkeiten, die in der Welt und in Deutschland geschahen, führen. Und auch heute ist z. B. die Frage, inwieweit die Außenpolitik der Vereinigten Staaten gerechtfertigt ist, sehr aktuell.
Aber natürlich sind terroristische Handlungen keine Lösung. Es ist interessant, wie doch manche Menschen den Moralbegriff für sich so dehnen können, dass sie nach dem Motto vorgehen „Der Zweck heiligt die Mittel“ und sich damit letztlich auf dieselbe Ebene wie ihre Gegner stellen, obwohl sie ja die „Besseren“ sein wollten. Auch interessant, dass dies oft ein schleichender Prozess ist, und dass ab einem gewissen Punkt Taten Anderer als Rechtfertigung eigener Schandtaten genutzt werden. Das ist quasi eine Art fanatische Selbstverarsche (entschuldigt den Ausdruck). Und diese Ausrede nutzten dann wiederum Polizisten und Gefängniswärter für ihren Umgang mit den Terroristen. Naja, sich ungerecht behandelt fühlen und ungerecht behandelt werden ist nicht immer das gleiche. Und für sich und andere moralisch mit zweierlei Maß zu messen, ist inkonsequent und egozentrisch.
Generell war eine große Aggressivität und Impulsivität bei den RAF-Mitgliedern im Film zu spüren. Ich bin mir nicht sicher, ob da wirklich jeder halbwegs „normal“ getickt hat. Das sollte man sich bei Fanatikern vielleicht öfter fragen. Aber ich kann das nicht ausreichend und endgültig beurteilen.