Medizin


Vor ein paar Tagen ist nun meine Approbation eingetrudelt. Die musste natürlich vorher beantragt werden, wozu vorher einige Unterlagen zu besorgen waren (wie immer). Ich weiß nicht, wie oft ich schon meine Geburtsurkunde zum Landesprüfungsamt getragen habe, diesmal war es auch wieder nötig. Ich bin aber trotzdem noch derselbe!

Fünf Minuten im Zimmer bei der Beamten, am nächsten Tag wurde es verschickt. Das Ganze kostete dann gleich mal 200 €. Nicht schlecht!

Aber dafür darf ich jetzt laut Gesetz am Patienten medizinisch tätig sein. Ein eigenartiges Gefühl, wenn man bedenkt, welche Arbeit in diesem einen A4-Blatt steckt.

Wetterfühligkeit ist zwar keine Erkrankung, aber dennoch weit verbreitet. Es gibt sogar einen Fachbegriff dafür: Meteoropathie. Ich habe bei mir und auch bei Personen meiner Familie und Freunden beobachtet, dass gerade bei Luftdruckschwankungen Beschwerden wie bleierne Müdigkeit, Antriebs- und Konzentrationsstörungen auftreten/sich verstärken können. Symptome, die bei Anderen nicht in dieser Häufigkeit und unabhängig vom Wetter auftreten (wenn überhaupt). Ich glaube, dass diese erhöhte Anfälligkeit für einen Wetterwechsel bei ADHSlern häufiger auftritt, vielleicht aufgrund einer generell veränderten Körperwahrnehmung. Bis jetzt hab ich noch nichts zu diesem Thema im Netz gefunden.

Da ich aktuell nicht so viel Zeit habe, nur ein verlinkter Artikel zum leidigen Thema „ADHS und Schlaf“:

Montréal – Kinder mit dem Aufmerksamkeitsdefizit- und Hyperaktivitätssyndrom (ADHS) haben offenbar einen weniger erholsamen Schlaf als andere. Dies zeigt eine Untersuchung in Sleep (2009; 32: 343-350).
[...]
Mit einem portablen Polysomnografen konnten Reut Gruber und Mitarbeiter von der McGill Universität in Montréal erstmals Kinder mit ADHS in ihrem heimischen Schlafzimmer untersuchen. Dabei stellten sie fest, dass die Kinder einen kürzeren und weniger erholsamen Schlaf haben.

HIER weiterlesen!

Mich betrifft dieses Problem ebenfalls. Hier habe ich z. B. schon mal über meine Erfahrungen mit Melatonin berichtet. Nicht erholsamer Schlaf (mein  Schlafproblem) kann eine wirkliche Plage sein und einem den ganzen Tag vermiesen. Natürlich wirkt sich die schlechte Schlafqualität auch auf ADHS-Symptome aus, die dadurch verschlechtert werden.

Dass es einen Zusammenhang zwischen ADHS und verschiedenen Schlafstörungen gibt, habe nicht nur ich schon länger vermutet. Dennoch scheint man noch nicht genug über die Ursachen zu wissen, um kausal daran anzusetzen. Deshalb freut es mich, dass sich diese Studie dem Thema gewidmet hat. Der Nachweis eines Zusammenhangs ist ja meistens der Anfang bei der Suche nach seinen Ursachen.

Nein, Wunder kann man auch mit Neuraltherapie nicht erreichen. Aber gegen bestimmte Schmerzen, vor allem Rückenschmerzen und Verspannungen hilft sie ganz gut. Das ist zumindest meine Erfahrung.

Vorgestern habe ich mir seit längerer Zeit mal wieder gesagt, ich will etwas mehr Sport treiben, zumal ich die meiste Zeit des Tages hauptsächlich sitzend verbringe. Also versuchte ich es mit ein wenig Krafttraining. Anscheinend habe ich mir aber dabei einen Nerv eingeklemmt, denn am Abend bekam ich Rückenschmerzen, die über die linke Schulterregion und die linke Seite bis vor zum Brustbein ausstrahlten. Ich konnte mich kaum noch richtig bewegen.

Also ging ich zu meinem Hausarzt, der nach genauer Lokalisation des Schmerzpunktes ein Lokalanästhetikum an diese Stelle spritzte. Seine neuraltherapeutische Ausbildung sei dafür sehr hilfreich gewesen, sagte er. Und tatsächlich dauerte es nicht lange, bis ich mich wieder einigermaßen normal bewegen konnte und die Schmerzen zumindest auf ein erträgliches Maß sanken. Ganz verschwanden sie erst am Abend.

Des Öfteren leide ich an Rückenschmerzen und Verspannungen, und fast genauso oft half die Neuraltherapie bei mir. Ich habe schon mehrere Möglichkeiten wie Finalgoncreme, Schröpfen oder Massagen ausprobiert, aber Neuraltherapie (grob gesagt das Spritzen eines Lokalanästhetikums an Schmerzpunkte) hilft tatsächlich am besten gegen einen muskulären Hartspann, auch wenn man über die Erklärung mit sogenannten Störfeldern sicher geteilter Meinung sein kann. Mir erscheint es plausibler, dass das Lokalanästhetikum den Teufelskreis aus Schmerz->reflektorischer Schonhaltung->Verkrampfung und Fehlbelastung der Muskulatur->Verstärkung des Schmerzes unterbricht. Aus eigener Erfahrung kann ich sagen, dass nicht nur der Schmerz nachlässt, sondern sich auch Muskelverhärtungen zurückbilden.

Ich finde meine kleine Geschichte deshalb hier erwähnenswert, weil ADHSler (ebenso Depressive) häufig über Rückenschmerzen klagen. Auch scheint Fibromyalgie häufig mit ADHS assoziiert zu sein, was nicht immer bekannt ist. Bei mir wurde diesbezüglich noch keine Diagnostik vorgenommen, aber theoretisch wäre das auch bei mir denkbar.

Interessant ist auch, dass man bei Fibromyalgie ebenfalls von einem in irgeneiner Weise gestörten Hirnstoffwechsel ausgeht, und dass niedrig dosierte Antidepressiva in vielen Fällen helfen sollen. Während man früher glaubte, Fibromyalgie beträfe nur Frauen nach den Wechseljahren, weiß man heute, dass Männer wie Frauen jeden Alters betroffen sein können.

Gerade eben lief im WDR die Sendung „Quarks  Co.“ mit Ranga Yogeshwar. Es ging um AD(H)S. Und um ehrlich zu sein, regt mich diese Sendung ein wenig auf. Denn das, womit ADHSler und ihre Ärzte ständig zu kämpfen haben, wurde hier mal wieder durch die Medien gefördert: ein verzerrtes Bild dieser Thematik mit der Bedienung von Klischees. Um fair zu bleiben: Die Kontroverse in der Diskussion um die Ursachen und die medikamentöse Therapie bei ADHS wurde durchaus von mehreren Seiten beleuchtet. Es kamen Psychologen zu Wort, genauso wie Betroffene, Vertreter der Pharma-Industrie und Ärzte.

Dennoch wurde aus meiner Sicht die Kritik an den neurobiologischen Ursachen für ADHS und an den Medikamenten überbetont, ebenso die psychoanalytische Sichtweise zu den Ursachen, was mich sehr enttäuscht.

Ich kann verstehen, dass es für die meisten Menschen befremdlich erscheint, Kindern Medikamente zu geben, erst recht, wenn es sich um Psychopharmaka handelt. Aber dennoch muss man hier nun mal der Wahrheit ins Gesicht sehen und akzeptieren, dass bei vielen Kindern kein Weg daran vorbei führt. Den Kopf in den Sand stecken und das Problem nur zu bereden und einen Konflikt irgendwo hinein zu deuten, wo keiner ist, sondern erst noch einer entsteht, wenn man nicht bald was macht (Stichwort Psychoanalyse), bringt nichts! Man hilft keinem ADHS-Kind, wenn man eine Pharmakotherapie kategorisch ausschließt! Das will ich hier noch einmal betonen, auch wenn das so in der Sendung nicht propagiert wurde.

Ich hatte eigentlich immer eine positive Meinung zu Ranga Yogeshwar, aber dass er hier dazu beiträgt, ein recht verzerrtes Bild von ADHS zu vermitteln, überrascht mich. Recht aussagekräftig für die Sendung auch sein Schlusswort:

Vielleicht sind nicht unsere Kinder krank, sondern eher unsere Gesellschaft. Und ADHS ist ein Ausdruck dafür.

Das hat er aber schön gesagt. Wie kann man einerseits in der Sendung die Wirkung der Medikamente im Gehirn erklären (mit Dopamintransportern und Synapsen etc.) und gleichzeitig mit diesen Worten schließen, die ja gleich das ganze Störungsbild infrage stellen? Das ist für mich ein klarer Widerspruch. Die Medikation mit Methylphenidat setzt so kausal an, wie es nur irgend geht. Nach heutigem Forschungsstand ist bei den meisten ADHSlern eine zu hohe Dichte sog. Dopamintransporter in einem bestimmten Gehirnbereich namens Striatum vorhanden und trägt erheblich zur Symptomatik bei. Methylphenidat greift genau dort ein, indem es die Anzahl der Dopamintransporter wieder auf ein Normalmaß senkt. Und wer sich mit Biologie ein wenig auskennt, der kann sich denken, dass das durch keine Psychotherapie allein bewirkt werden kann. Andernfalls möchte ich gern die Studie lesen, die genau das belegt.

Während die einen also immer noch mit der (Para-)Wissenschaft der Deutung beschäftigt sind, behandelt die Medizin auf der Basis reproduzierbarer(!) Studienergebnisse die Ursachen, soweit das heutzutage möglich ist.

Nachtrag:

Nachfolgend die Links zur Sendung auf YouTube:   Teil 1 2 3 4 5

Nun schon wieder ein Artikel zum Thema ADHS, aber keine Angst, es kommt auch bald wieder was Anderes.

Kürzlich erschien in einem ADHS-Forum ein Gast-User in einem Thread über das Thema „Psychoanalyse bei ADHS“. Die User tauschten gerade ihre eigenen Erfahrungen über Psychotherapien allgemein aus, als dieser Gast behauptete, ADHS gäbe es nicht, die Symptome wären allein durch negative Lebenserfahrungen verursacht. Und deshalb wäre eine Psychotherapie besser geeignet, um (das eigentlich gar nicht vorhandene) ADHS zu behandeln. Er bezweifelte die genetische Disposition bei ADHS. Medikamente seien allenfalls als Übergangslösung zur Psychotherapie angebracht. Und außerdem habe man jüngst nachgewiesen, dass Psychotherapie genauso gut wie Medikamente Veränderungen im Gehirn verursacht, allerdings auch noch dauerhaft!  Man muss dabei noch wissen, er ist Psychoanalytiker. Sein Fazit lautete:

Nur Psychotherapie kann bleibend helfen. Tabletten helfen nur, solange sie wirken. Von daher machen Tabletten zumindest psychosozial abhängig, eine gelungene Psychotherapie keineswegs.

Auch hier auf dem Blog gab es kürzlich eine ähnliche Debatte.

Diese Grundsatzdiskussion kommt im Privaten wie auch in einigen Medien sehr häufig vor. Es gibt immer wieder Personen, die die Tatsache ADHS und deren Medikation scharf kritisieren. Ich frage mich dann immer wieder: Wieso?

Die Anzahl der ADHS-Diagnosen stieg in den letzten Jahren an. Bei den Erwachsenen liegt es wohl hauptsächlich daran, dass man bis vor einigen Jahren glaubte, ADHS verliere sich während des Heranwachsens, und es deshalb einfach nicht bei Erwachsenen diagnostizierte. Heute ist man schlauer und so nähert sich die Zahl der Diagnosen bei Erwachsenen allmählich der tatsächlichen Häufigkeit an. Bei Kindern bin ich mir nicht ganz sicher, wie die aktuelle Entwicklung ist.

Nun, die Tatsache, dass ADHS immer öfter diagnostiziert wird, zeigt, dass es eine Symptomatik zu geben scheint, die durch die typischen Symptome (Konzentrationsstörungen, Hyperaktivität, Impulsivität, Desorganisation, Stressintoleranz etc.) gekennzeichnet ist. OK, nun könnte man behaupten, dass das z. B. Folgen von Überforderung sind (Burnout), vielleicht getriggert durch den hohen Leistungsdruck in unserer Gesellschaft. Aber so leicht machen es sich die Fachärzte ja nicht mit der Diagnose. Die Diagnostik von ADHS dauert häufig mehrere Stunden und beinhaltet eine genaue Erhebung von Komorbiditäten (Begleiterkrankungen) und den Ausschluss anderer Diagnosen. Auch wenn diese Diagnostik nicht einfach ist, ADHS als ein eigenes Störungsbild gibt es mit Sicherheit. Ein wesentliches Merkmal ist die Persistenz seit der Kindheit¹. Somit wird der Burnout schon unwahrscheinlich.

Warum also gibt es immer wieder Menschen, die gegen ADHS vorgehen wollen, seine Existenz infrage stellen und alle Welt mit dieser Überzeugung „missionieren“ wollen?

Und was haben sie gegen Medikamente, die dem größten Teil der Betroffenen das Leben erheblich erleichtern?

Ich muss sagen, vernünftige Gründe dafür fallen mir nicht ein. Das Einzige, was ich mir vorstellen kann, ist, dass es vorwiegend Psychotherapeuten sind, die finanzielle Einbußen befürchten, weil einige ihrer Patienten irgendwann keine Psychotherapie mehr benötigen. Aber soll es das wirklich sein?

Was sagt Ihr dazu? Ich bin gespannt.

Anmerkung: Sehr empfehlenswert ist auch dieser Artikel von Dr. Winkler, den ich soeben entdeckt habe. Die Tatsache, dass Freud selbst (als Begründer der klassischen Psychoanalyse) zur Erkenntnis gelangte, dass bei bestimmten Personen statt Konflikten eine biologische Veränderung ursächlich ist, spricht Bände.

[¹] Auch dabei scheint es vereinzelte Ausnahmen zu geben, die aber anscheinend sehr selten sind und deshalb bei dieser Betrachtung vernachlässigt werden können.

Aufgrund der gestrigen Sendung „Zank um das Zappelphilipp-Syndrom“ (hier eine kleine Zusammenfassung) habe ich mir ein paar Gedanken gemacht, die mich beschäftigen.

Immer wieder steht die Medikamenten-Therapie des ADHS  in der Kritik, und es wird von einer beängstigenden Entwicklung gesprochen, wenn man erwähnt, dass die Verschreibungen in den letzten Jahren zugenommen haben. Manche Leute unterstellen den Ärzten sogar pauschal, sie würden zu schnell Stimulanzien verschreiben. Man könne in vielen Fällen darauf verzichten und nur mit den übrigen Behandlungsmethoden (Psycho-, Verhaltenstherapie, Coaching …) therapieren.

Man muss dabei wissen, dass mit Methylphenidat ein sehr potentes Medikament zur Behandlung des ADHS zur Verfügung steht, das in der Regel gut vertragen wird und in seiner über 50-jährigen Anwendung bisher keine negativen Langzeiteffekte aufwies. Wenn es so angewendet wird, wie vom Arzt empfohlen, dann gilt es als eines der sichersten Medikamente, die es gibt.

Aus eigener Erfahrung kann ich sagen, dass die medikamentöse Therapie eine enorme Bereicherung für das Leben sein kann, auch wenn sie bei mir noch nicht ganz optimal ist. Aber das Ausmaß meiner Einschränkungen, die ich hatte, wurde mir erst nach Beginn der Medikation ersichtlich. Ich kannte es zuvor nicht anders und bemerkte deshalb nicht, wie oft ich eigentlich immer geistig abwesend war.  Ich fühle mich jetzt regelrecht etwas „schlauer“.

Was hätte ich aber getan, wenn mein Arzt gemeint hätte, ich bräuchte kein Medikament, ich müsse es mit den anderen Möglichkeiten probieren? Ich hätte wohl nie erfahren, wie sich mein Leben vereinfachen konnte. Wahrscheinlich hätte ich mich in Psychotherapien abgemüht, die langfristig eher wenig gebracht hätten.

Die Kernfrage, die sich mir deshalb aufdrängt, ist: Kann man es moralisch verantworten, dass ein diagnostizierter ADHS-Patient nur einen Teil der möglichen Therapien bekommt? Habe ich mit bestehender Diagnose nicht das Recht, zu erfahren, wie die Welt für mich mit Medikamenten aussieht, um mich dann selbst dafür oder dagegen zu entscheiden (nach ausführlicher Aufklärung über die Risiken)?

Dass man bei Kindern mit Medikamenten zurückhaltender ist, verstehe ich. Deshalb verstehe ich auch, dass man bei Kindern Auslassversuche unternimmt. ADHS kann ja auch noch im Laufe der Zeit „verschwinden“, passiert nicht oft, aber das gibt es ja. Aber auch nicht jeder erwachsene ADHSler bekommt zwangsläufig mit seiner Diagnose auch ein Medikament.  Meiner Meinung nach hat jedoch jeder das Recht, die eigenen Ressourcen so gut wie möglich zu nutzen. Keiner sollte durch eine restriktive Verschreibung daran gehindert werden.

Ich weiß, das ist jetzt eine klare Bekenntnis zu den oft kritisierten Medikamenten. Gerade bei der Stimulanzientherapie ist aber bei angemessener Anwendung eine Kritik kaum noch berechtigt. Es werden weit jüngere und nebenwirkungsreichere Medikamente täglich verschrieben, ohne dieses negative Echo in den Medien. Und wenn ich noch einen Vergleich heranziehen darf: Bei einem Schmerzpatienten würde auch niemand sagen: „Sie bekommen keine Schmerzmittel, dazu sind Ihre Schmerzen noch nicht stark genug“, oder?

Seit einigen Monaten ist in den USA ein neues Amphetamin-Präparat namens Vyvanse (Wirkstoff: Lisdexamfetamin) für Kinder und Erwachsene mit ADHS zugelassen. Das Besondere daran (Quelle):

„Das Präparat von Shire ist nach Unternehmensangaben das erste und einzige Stimulans-Prodrug. Der Wirkstoff wird erst aktiv, wenn er im Gastrointestinaltrakt verstoffwechselt wird. Die Missbrauchs- und Überdosierungsrisiken seien daher gering.“

Der Wirkstoff ist eine chemische Verbindung von D-Amphetamin mit der Aminosäure L-Lysin. Diese wird erst im Magen-Darm-Trakt oder in der Leber abgespalten und gibt so den eigentlich wirksamen Stoff frei.

Dass das Medikament besser wirkt als bereits seit längerer Zeit eingesetzte Amphetamin-Derivate, halte ich für weniger wahrscheinlich. Es wird sicherlich ähnlich wirksam sein wie Adderall oder Dexedrine, die ebenfalls D-Amphetamin enthalten. Aber die häufig geäußerte Befürchtung, diese Stimulanzien könnten missbräuchlich eingesetzt werden, ist bei Vyvanse wohl kaum noch gerechtfertigt. Möglicherweise eignet es sich auch für ADHSler mit bekannter Drogenkarriere. Das wäre sehr zu begrüßen.

Ich hoffe, dass die D-Amphetamin-Präparate bald auch in Deutschland zugelassen werden. Zur Zeit gibt es hier lediglich Methylphenidat als das einzige Stimulanz, und das ist auch nur bei Kindern zugelassen. Es wird langsam Zeit, dass wir hier einen Schritt voran kommen.

Hintergrund:

Viele ADHS-Patienten klagen über Schlafstörungen unterschiedlicher Art. Darunter scheint das Schlafphasenverzögerungssyndrom (Delayed Sleep Phase Syndrome, DSPS) weit verbreitet zu sein. Es handelt sich dabei um das Phänomen, dass der physiologische Tag-Nacht-Rhythmus (zirkadianer Rhythmus) um einige Stunden nach hinten verschoben ist. Betroffene werden abends nicht zu den üblichen Zeiten müde, sondern erreichen erst tief in der Nacht – manchmal sogar erst am frühen Morgen – die nötige „Bettschwere“, um einschlafen zu können. Im Gegenzug dazu fällt es ihnen enorm schwer, zu den allseits üblichen Zeiten morgens aufzustehen, nach ihrem Rhythmus würden sie erst im Laufe des Vormittags – manchmal erst am Nachmittag – aus dem Bett aufstehen.

Meines Wissens existieren derzeit keine Untersuchungen über die Prävalenz dieser Erkrankung bei ADHSlern. Deshalb startete ich in einem ADHS-Forum eine Umfrage über die Häufigkeit und die Ausprägung einer  solchen Rhythmusverschiebung bei ADHS-Betroffenen. Mit aktuell 31 Teilnehmern (Stand: 23.09.2008 13:50 Uhr)  erhebt diese Umfrage natürlich keinen Anspruch auf Repräsentativität. Auch bleibt unklar, wie viele ADHSler, die ihren Tag-Nacht-Rhythmus als normal beschreiben würden, sich überhaupt an der Umfrage beteiligten. Dennoch ist es verblüffend, dass lediglich zwei Befragte (!) ihren Rhythmus für normal hielten. Der größte Teil (nämlich 26 Befragte; 83,9%) gab eine Rhythmusverschiebung nach hinten an, während 4 Personen sagten, ihr Tag-Nacht-Rhythmus beträge mehr als 24 Stunden. In der Mehrzahl (65,6%) lag die Verzögerung zwischen drei und sechs Stunden. DSPS scheint also eine häufige Komorbidität des ADHS zu sein, hierzu sollte auf jeden Fall weitere Forschung betrieben werden.

Der ADHS-Spezialist Dr. Martin Winkler schreibt zu diesem Thema:

„Dies hat u. a. auch mit der Produktion und Verfügbarkeit des für den Schlaf wichtigen Melatonin zu tun. Melatonin ist quasi das körpereigene „Schlafsignal“. Man vermutet, dass bei ADHS-Klienten dieses Signal entweder nicht ausreichend oder aber zum falschen Zeitpunkt (spät in der Nacht) ausgeschüttet wird.“

Bei Melatonin handelt es sich um das körpereigene Schlafhormon. Es wird bei Gesunden in Abhängigkeit von der Lichteinstrahlung vorwiegend während der Nacht in die Blutbahn ausgeschüttet und erhöht die Wahrscheinlichkeit einzuschlafen. Somit trägt es zur Synchronisation von Körperfunktionen mit dem von der Natur vorgegebenen Tag-Nacht-Rhythmus bei. Eine verzögerte Ausschüttung von Melatonin könnte also ein Hinweis, möglicherweise sogar die Ursache für ein Schlafphasenverzögerungssyndrom bei ADHS-Patienten sein. Der Melatoninspiegel im Blut lässt sich nur sehr umständlich bestimmen, da es in der Blutprobe (ohne Kühlung) schnell abgebaut wird. Zudem wären wiederholte Blutentnahmen über 24 Stunden nötig, um ein DSPS zu diagnostizieren. Eine Analyse des Melatoninspiegels im Speichel ist möglich, jedoch ungenauer als die des Blutspiegels.

Die Frage, die sich nun aufdrängt, ist: Kann man etwas gegen DSPS tun? Hierzu schreibt Dr. Winkler folgendes (selbige Quelle):

„Bei dieser Form von Schlafstörungen kann eine gezielte Behandlung am Abend mit Melatonin angezeigt sein.“

Melatonin ist rezeptpflichtig und kann von der Apotheke z. B. in Form von Kapseln hergestellt werden. In den USA gilt es als Nahrungsergänzungsmittel und ist dort frei verkäuflich.  Die übliche Dosis beträgt zwischen 2 und 5 mg. Meines Wissens kann man sie auf bis zu 10 mg steigern. Jedoch ist zu bedenken, dass eine merkliche Wirkung auch erst nach einigen Wochen eintreten kann. Es sollte möglichst immer zur gleichen Zeit eingenommen werden, und man sollte innerhalb einer Stunde nach Einnahme auch zu Bett gehen. Melatonin soll neben weiteren Effekten auch die Schlafqualität verbessern.

Mit Circadin gibt es seit kurzer Zeit das erste Melatonin-Fertigpräparat in Deutschland, das allerdings nur für Patienten ab 55 Jahren mit primärer Insomnie zugelassen ist. Eine Anwendung bei ADHS wäre also nur im Rahmen eines Off-Label-Use möglich. Das Besondere daran ist, dass es den Wirkstoff kontinuierlich über die Nacht verteilt freisetzt und somit die physiologische Freisetzung des Organismus imitiert. Anders ist dies bei den von Apotheken hergestellten Kapseln, die keine retardierte Freisetzung ermöglichen. Mit seiner Halbwertszeit zwischen 30 und 50 Minuten ist das Melatonin deshalb nach kurzer Zeit wieder abgebaut.

Meine eigenen Erfahrungen:

Da ich wahrscheinlich ebenfalls von einem Schlafphasenverzögerungssyndrom betroffen bin, habe ich Melatonin ausprobiert. Zunächst versuchte ich es mit 2 mg am Abend. Daraufhin hatte ich nicht das Gefühl, besser geschlafen zu haben. Der Schlaf war fast unverändert, eventuell sogar etwas schlechter.

Deshalb versuchte ich es nach einiger Zeit mit 5 mg. Dabei fühlte ich mich kurz nach der Einnahme sogar etwas munterer als zuvor, vielleicht eine paradoxe Medikamentenwirkung (die bei ADHS ja relativ häufig auftreten kann). Ich wachte im Vergleich zu sonst viel früher am Morgen auf, endlich einmal zu einer „normalen“ Zeit. Allerdings war ich den ganzen Tag mehr müde als sonst und hatte das Gefühl, die ADHS-Symptome haben sich etwas verstärkt.

Ich steigerte die Dosis über ein paar Tage bis auf 10 mg. Das war eindeutig zu viel! Die Schlafqualität war schlechter als zuvor. Und ich fühlte mich ein wenig wie von der Außenwelt abgeschottet. Ich war den Tag lang sehr benommen und hatte stärkere ADHS-Symptome als sonst.

Deshalb ließ ich das Melatonin für eine Weile bleiben. Als dann das Circadin aufkam, vereinbarte ich mit meinem Arzt noch einmal einen Versuch damit. Circadin enthält 2 mg und setzt das Melatonin während der gesamten Nacht frei (siehe oben). Dieser Versuch ging vollends in die Hose! Der Schlaf war so schlecht wie lange nicht mehr. Aufgrund dessen war für mich der nächste Tag komplett gelaufen, weil ich mich kaum aufrecht halten konnte. Die kontinuierliche Freisetzung war also absolut nichts für mich!

Ich muss an dieser Stelle erwähnen, dass ich neben der Rhythmusverschiebung auch unter einer generell schlechten Schlafqualität leide (primäre Insomnie), die bis zu diesem Zeitpunkt durch die Melatonin-Versuche zusätzlich verschlechtert wurde. Jemand anderes würde möglicherweise nicht so drastisch oder sogar positiv darauf reagieren.

Zunächst wollte ich das Melatonin also gänzlich sein lassen. Da mir aber das verspätete Einschlafen und das Nicht-aus-dem-Bett-kommen-wollen immer wieder zu schaffen machten, unternahm ich noch einen letzten Versuch mit einer sehr niedrigen Dosis. Ich öffnete eine Melatonin-Kapsel und entnahm nur einen geringen Teil, der etwa 0,5 mg entsprach. Am nächsten Morgen wachte ich wieder zu einer „normalen“ Zeit auf (etwa 7.30 Uhr). Die Müdigkeit am Tage hielt sich in Grenzen, und die ADHS-Symptome waren so gut wie unverändert. Diese Dosis hielt ich bis heute bei und komme relativ gut damit zurecht. Mit Melatonin hat sich meine Einschlafphase verkürzt. Ich nehme das Melatonin 23 Uhr und gehe (fast immer) innerhalb einer Stunde danach zu Bett. Vor allem schlafe ich dann auch ein, was mir sonst immer wieder schwer fiel.

Mein Fazit:

  • Melatonin ist nicht nebenwirkungsfrei (hätte ich auch nicht erwartet)
  • Wie bei allen Medikamenten kommt es auf die richtige Dosis an
  • Man sollte aus meiner Sicht mit niedrigen Dosen beginnen
  • Ein Effekt ist erst nach längerer Einnahme zu erzielen
  • Man muss sich an die regelmäßige Einnahme zur gleichen Zeit halten
  • Es kann ein Schlafphasenverzögerungssyndrom bekämpfen (früheres Erwachen zu den üblichen Zeiten, kürzere Einschlafphase), ist aber kein Allheil- oder Wundermittel
  • Die Anwendung sollte natürlich in Abstimmung mit einem Arzt (bestenfalls einem Facharzt für Neurologie oder Psychiatrie) erfolgen

P. S.: Die hier getroffenen Aussagen beruhen zum größten Teil auf Erkenntnissen aus dem Selbststudium oder aus Gesprächen mit Ärzten. Ich bin dabei auf die Korrektheit der Aussagen bedacht. Dennoch kann und soll dieser Artikel die Konsultation eines Arztes und die Inanspruchnahme seiner Beratung nicht ersetzen. Es bleibt die Pflicht des Lesers, die hier getroffenen Aussagen auf ihren Wahrheitsgehalt zu überprüfen oder von einem Spezialisten überprüfen zu lassen. Sollte es wider meiner Absicht zu Falschaussagen oder ungenauen Darstellungen von Fakten gekommen sein, so bitte ich um entsprechende Hinweise im Kommentar.

Wie viele Drogen (z.B. Extasy) führt auch der regelmäßige Konsum von Cannabis zum Tod von Hirnzellen. Diese aus meiner Sicht weniger verwunderliche Erkenntnis wurde von australischen Forschern nun nachgewießen. Demnach sind vor allem Hirnstrukturen, welche für Erinnerung, Angst und Aggression verantwortlich sind, vom Zelluntergang betroffen. Die Studie spricht zum Teil gegen jüngere Studien, die Cannabis eine neuroprotektive Wirkung zusprachen. Jedoch war auch schon länger bekannt, dass regelmäßiges Kiffen bei einigen Personen eine Schizophrenie auslösen kann. Das letzte Wort hinsichtlich aller gesundheitlichen Auswirkungen ist wahrscheinlich noch nicht gesprochen.

Außer in der Drogenszene kommt der Hauptwirkstoff Tetrahydrocannabinol (THC) auch in der Medizin zu Anwendung, wenn auch eher selten. Er kann unter anderem gegen das Tourette-Syndrom, Depressionen oder Schmerzen uvm. eingesetzt werden.

Nun ja, ich denke, einmal ist kein Mal. Aber alles, was regelmäßig ist, sollte man lieber bleiben lassen.

„Nikotinpflaster können Depressionen von Nichtrauchern deutlich lindern. Forscher wollen im Labor ähnliche Substanzen nachbauen, die nicht süchtig machen.“

Dass Nikotin bei ADHS eine ähnliche Wirkung hat wie Stimulanzien, ist schon seit längerer Zeit bekannt. Dass es aber generell gegen Depressionen auch bei Nichtrauchern helfen soll, ist sehr interessant. Vor allem, da sich hier ja auch ein neuer Ansatz für mögliche Pharmakotherapien, nicht nur bei ADHS, darstellt. Auch die Möglichkeit, das Nikotinmolekül so zu verändern, dass der daraus entstehende Stoff nicht mehr süchtig macht, finde ich sehr bemerkenswert.

HIER geht’s zum Artikel von FOCUS Online

In der heutigen Zeit erfreuen sich alternative Heilmethoden, zu denen auch die Akupunktur gehört, immer größerer Beliebtheit. Vielfach werden sie als gesünder, unschädlicher, ungiftiger oder naturnäher angesehen als die bewährten Methoden der sogenannten Schulmedizin. Abgesehen von der Pflanzenheilkunde ist es nahezu allen dieser Verfahren gemein, dass es bis heute kaum Beweise für ihre Wirksamkeit gibt. Dies führt bisweilen zu verhärteten Auseinandersetzungen zwischen ihren Verfechtern einerseits und den ihnen gegenüber kritisch eingestellten Wissenschaftlern andererseits. Die Argumente sprechen deutlich für eine kritische Einstellung: fehlende Wirksamkeitsnachweise, teilweise mysteriöse und wissenschaftlich fragliche Erklärungsansätze, Assoziationen zu anderen „Parawissenschaften“ wie Astrologie bis hin zur Behauptung, sich als Erfahrungswissenschaft nicht beweisen zu müssen.

Dennoch – auch wenn man in diesem Bereich der Heilkunde wohl viel Scharlatanerie und Humbug antreffen wird – lohnt sich doch die Beschäftigung mit dem Thema. Die Entwicklung der heutigen Medizin (mehr…)