Wissenschaft


Angeregt durch sunny’s letzten Artikel möchte ich mich heute dem Thema Epigenetik widmen. Die Epigenetik ist ein junges wissenschaftliches Fach, und dennoch schon sehr umstritten. Das liegt daran, dass in ihr ein gewisses Konfliktpotential liegt, da ihre Erkenntisse möglicherweise ein Umdenken in Naturwissenschaften bedeuten könnten. Nicht zuletzt wird sie von einigen Wissenschaftlern quasi als „Totschlagargument“ genutzt, um nur wenig bis gar nicht überprüfbare Theorien zu begründen. Allen voran Psychoanalytiker, und hier vor allem auch ADHS-Gegner. Ich möchte hier einmal darstellen, warum die Bedeutung der Epigenetik – zumindest hinsichtlich psychischer Störungen – in meinen Augen überschätzt wird. Dass zu diesem Thema einiges gesagt werden muss, halte ich für dringend nötig. Typische Behauptung einiger Psychoanalytiker: Psychische Erkrankungen (wie eben auch ADHS) seien nur die Folge (vererbter) Traumata.

Zunächst einmal: Was bedeutet Epigenetik überhaupt? Hier möchte ich den Wikipedia-Artikel zitieren:

Die Epigenetik beschäftigt sich mit der epigenetischen Vererbung, d. h. der Weitergabe von Eigenschaften auf die Nachkommen-Organismen oder Nachkommen-Zellen, die nicht auf Abweichungen in der DNA-Sequenz zurück gehen, sondern auf eine vererbbare Änderung der Genregulation und Genexpression.

In der Epigenetik werden die molekularen Mechanismen erforscht, welche regeln, ob ein Gen gerade „angeschaltet“ oder „ausgeschaltet“ ist. Das heißt, ob ein Gen abgelesen wird, und zur Bildung von Eiweißen führt, die in der Zelle vorhanden sind, oder nicht. Jede Körperzelle eines Menschen besitzt dasselbe Erbgut. Da es aber unterschiedliche Zelltypen (z. B. Hautzelle, Muskelzelle, Nervenzelle etc.) gibt, werden immer nur bestimmte DNA-Abschnitte für die Funktion der Zelle benötigt, während die anderen ruhen. Der epigenetische Apparat regelt, wann welches Gen aktiv wird³.

„Nutznießer“ der Epigenetik behaupten, dass über diese Mechanismen ein Einfluss der Umwelt auf die Gene stattfindet und so das Erbgut verändert wird. Nach dem Motto: Die Giraffe hat einen langen Hals, damit sie  besser an die Blätter von Bäumen kommen kann. So eine Aussage entspräche der Lamarckschen Theorie über die Evolution. Sie steht konträr zur Darwinschen Evolutionstheorie, nach der sich – um bei diesem Beispiel zu bleiben – der lange Hals von Giraffen durch Mutation und natürliche Auslese entwickelte, weil Giraffen mit längeren Hälsen bessere Chancen hatten als ihre Artgenossen, an Nahrung zu gelangen, und sich damit ihre Überlebenschancen erhöhten, so dass sie ihre Gene häufiger verbreiten konnten.

Tatsächlich wurde nachgewiesen, dass z. B. die Kinder von Müttern, welche in der Schwangerschaft eine Hungerperiode erlebten mussten, kleinere Kinder bekamen als normal, und auch deren Kinder wieder kleiner waren¹. Nun stellt sich die Frage: Ist dies eine Veränderung des Erbgutes? Das kommt darauf an, was man unter dem Begriff Erbgut versteht. Wenn er den epigenetischen Apparat mit einschließt, dann könnte man sagen ja. Wenn man darunter nur die DNA, also den genetischen Code, versteht, dann müsste man sagen nein. Denn was sich ändert, ist nur der epigenetische Apparat, also die Information, dass wachstumsförderliche Gene weniger aktiv werden. Diese Information scheint in manchen Fällen mit vererbt zu werden. Das stellt allerdings keine Veränderung des genetischen Codes, also der DNA, dar. Es werden nur schon vorhandene Gene an- bzw. abgeschaltet und dieser Status (Gen ist an bzw. Gen ist aus) mit vererbt! Evolutionär gesehen konnte das durchaus in unserem Beispiel einen Vorteil gebracht haben (geringerer Nahrungsbedarf kleinerer Menschen in einem Gebiet/einer Zeit mit geringen Nahrungsmittelreserven).

Nun wird jedoch oftmals behauptet, auf genau die gleiche Weise könnten psychische Traumata das Erbgut verändern und somit das Trauma mit seinen negativen Folgen auf die nachfolgende Generation vererbt werden. Das Kind einer Mutter (bzw. eines Vaters), die in ihrem Leben ein psychisches Trauma erlebt hat (z. B. in Kriegszeiten), würde demnach an den Folgen des Traumas der Mutter leiden. Psychische Erkrankungen (wie ADHS) werden dann gerne auf eine in früheren Generationen erworbene Traumaerfahrung zurückgeführt. Diese Theorie hat allerdings logische Fehler, wie ich im Folgenden darstellen werde.

Zum einen müsste die Information einer psychischen Traumatisierung vom Gehirn der traumatisierten Person zunächst in die Keimzellen (Ei- oder Samenzellen) gelangen, denn das Kind bekommt nur über diese das Erbgut der Eltern. Eine solche Übertragung einer Information ist aber nur schwer vorstellbar. Sie könnte nur auf dem hormonellen Wege erfolgen, da es keine Nervenverbindungen zwischen Gehirn und Keimzellen gibt. Für so einen Mechanismus wurde noch kein eigenes Hormon entdeckt. Denkbar wäre allenfalls das Stresshormon Cortisol. Dieses könnte aber – wenn überhaupt – nur eine unspezifische Veränderung in Keimzellen hervorrufen, da es dem Körper die Information übermittelt, dass eine Stresssituation vorliegt, nicht  aber um welche Art von Stress es sich handelt. Eine Veranlagung zu einer spezifischen Symptomatik im Sinne einer Traumareaktion ließe sich aber hormonell nicht machen. Warum ein Kind gerade ADHS bekommt, während sich das andere nur immer „heimatlos fühlt“², wäre dadurch nicht erklärbar. Jede Spezifität eines Traumas ginge verloren. Und somit könnte es wiederum Stress jeglicher Art gewesen sein, der eine solche Reaktion hervorgerufen hat. Das psychische Trauma müsste also nicht mal der Auslöser sein. Zudem lässt sich hier auch nachvollziehen, dass selbst epigenetische Veränderungen im Gehirn (die es ja durchaus geben kann) kein Beweis für eine Vererbung dieser auf die Nachfolgegeneration sind.

Außerdem muss man sich überlegen, dass ein solcher Regulationsmechanismus einen evolutionären Vorteil dargestellt haben müsste, ansonsten hätte er sich nicht entwickelt. Ein evolutionärer Vorteil psychischer Erkrankungen erscheint jedoch ebenfalls zweifelhaft.

Bei Samenzellen kommt hinzu, dass sie durch die sog. Blut-Hoden-Schranke vom Blutkreislauf isoliert sind. Sie werden nur durch „Ammenzellen“ ernährt, die kontrollieren, welche Substanzen zu ihnen überhaupt vordringen. Hormone dürften die Samenzellen eigentlich gar nicht erreichen.

Die rund 500 Eizellen einer Frau haben auch eine Besonderheit. Sie werden schon vor der Geburt angelegt und verharren in ein und demselben Zustand, bis sie mit dem Eisprung in die Gebärmutter wandern. Die Traumatisierung müsste also das Erbgut der Mutter nachträglich verändern, da sie ja schon voll entwickelt sind. Auf DNA-Ebene ist das nicht möglich. Eine epigenetische nachträgliche Veränderung erscheint aus den oben genannten Gründen eher abwegig.

Meine Betrachtung ist natürlich nicht in Stein gemeißelt. Niemand kann wissen, was in Zukunft noch entdeckt wird. Aber vor dem Hintergrund gewisser biologischer Kenntnisse erscheint eine Trauma-Vererbung äußerst zweifelhaft. Es muss ja schließlich alles irgendwo zusammenpassen. Besonders der fehlende evolutionäre Vorteil, der eine Selektion von Individuen hervorgerufen haben müsste, welche eine Trauma-Vererbung „eingebaut“ haben, ist aus meiner Sicht nicht zu erkennen.

Es scheint, als ginge der fast schon vergessene „Kampf“ zwischen Lamarckismus und Darwinismus mit der Epigenetik in eine neue Runde, in welcher gewisse Ideologien eine Rolle zu spielen scheinen.

[1] … Einen Beweis für diese Aussage konnte ich im Internet nicht finden, wäre aber prinzipiell wünschenswert. Diese Information habe ich aus einer TV-Sendung. Ein entsprechender Link kann gerne im Kommentarteil gepostet werden.

[2] … Wie in diesem Artikel zu lesen ist

[3] … Übrigens gar keine so neue Erkenntnis. Es ist schon lange bekannt, dass die Gene durch einen Regulationsapparat gesteuert werden. In letzter Zeit wurden nur weitere Mechanismen entdeckt bzw. einige Zusammenhänge aufgedeckt.

Die neue Final-Version von Google Earth ist da! Besonders hervorzuheben: die neuen Features.

Mit Version 5.0 kann man nicht nur aus dem All auf das Grundstück des Nachbarn zoomen, sondern auch auf Entdeckungsreise in die sieben Weltmeere abtauchen! Die neue Komponente Google Ocean enthält dafür mehrere Ebenen, um z. B. unterseeische Gebirge oder Schiffswracks zu besichtigen. Oder man schaut sich einen Beitrag aus den Archiven Jacques Cousteaus an.

Genauso faszinierend finde ich, dass man jetzt auch noch virtuell zum Mars reisen kann, der ebenso anhand von Satellitenbildern dreidimensional konstruiert wurde.

Und das alles kostenlos! Also gleich runterladen (z. B. HIER) und stöbern! Ich geh gleich mal auf die Suche nach dem Marsgesicht …

Diese Frage stellte ich mir gestern, als ich im TV die Amtseinführung Obamas verfolgte. Die Temperaturen in Washington D. C. stiegen nicht über 0°C. Ist doch nichts Besonderes, könnte man meinen. Wenn man aber bedenkt, dass Washington etwa in derselben Breite liegt, wie Nordsizilien, wo es 15°C  warm wurde, dann sieht die Sache schon anders aus.

Ich habe im Moment keine Erklärung für diesen Unterschied trotz etwa gleicher Entfernung vom Äquator. Möglich, dass der Golfstrom eine Rolle dafür spielt, warum es in Europa wärmer ist. Aber reicht seine Wirkung wirklich bis nach Sizilien? Und müsste er sich nicht auch auf das Klima an der Ostküste Nordamerikas auswirken? Kann mir jemand dieses Phänomen erklären?

Nur ein plötzlicher Gedanke, über den ich schon einmal ein wenig nachdachte.

Ich sollte erklären, was ich mit dieser Frage meine. Über die Jahrhunderte gewannen die Naturwissenschaften immer mehr Kenntnisse über die Physik des Universums. Mit der zunehmenden Verbesserung unserer technischen Methoden ergeben sich neue Fragen – und die Antworten hierauf. Während es früher ausreichte, zur Erforschung der Physik Ereignisse auf der Erde zu untersuchen oder nachzubilden, sind es heute beispielsweise Radioteleskope oder Satelliten, die uns Informationen über kosmische Objekte liefern und so unser Wissen erweitern.

Dabei tun wir jedoch eines: Wir nehmen an, dass die Gesetze, die wir von der Erde her kennen, im gesamten Universum gelten. Was einst entdeckt bzw. nachgewiesen wurde, wird gewissermaßen „universalisiert“. Und eine Grundsatzfrage, die sich mir dabei stellt, ist: Dürfen wir das überhaupt?

Können wir wirklich annehmen, dass die Konstanten, die wir ermittelt haben, überall im Universum gleich  groß sind? Warum sollte nicht z. B. die Gravitationskonstante woanders größer sein als in unserer unmittelbaren (kosmischen) Umgebung? Denn wäre das der Fall, so müssten wir unsere Berechnungen anpassen.

Ich behaupte nicht, dass das ein Fehler ist.  Wir tun es, und das ist wahrscheinlich auch in Ordnung so. Aber ich habe auch keine Antwort auf die Frage, ob es überhaupt zulässig ist.

So heißt eine hochinteressante Sendung der Reihe „Faszination Erde“ im ZDF, die ich gerade gesehen habe und sehr empfehlen kann.

Da soll noch mal jemand ankommen und anzweifeln, dass es die Evolution gibt!

Inseln am Rande der Hölle: Indonesien (ZDF-Mediathek)

Für Wissenschaftler z.B. ist Denken eine Methode zur Überprüfung von Vermutungen. Wenn ich vermute “Im Kühlschrank könnte noch Bier sein..” und ich gucke nach, dann betreibe ich im Prinzip schon eine Vorform von Wissenschaft. In der Theologie dagegen werden Vermutungen in der Regel nicht überprüft. Wenn ich nur sage “Im Kühlschrank ist Bier!” bin ich Theologe – wenn ich nachgucke, bin ich Wissenschaftler. Wenn ich nachgucke, nix finde und trotzdem behaupte, “es ist Bier drin!”, dann bin ich Esoteriker.

Zitat von Vince Ebert, HIER gefunden.

Für alle Studenten eines naturwissenschaftlichen Studiengangs, die an einer Promotion oder Forschungstätigkeit interessiert sind, und die zufällig hier vorbeischneien, möchte ich auf folgenden Artikel aus der „ZEIT“ hinweisen:

CHE ExcellenceRanking 2007/08

Seit einigen Monaten ist in den USA ein neues Amphetamin-Präparat namens Vyvanse (Wirkstoff: Lisdexamfetamin) für Kinder und Erwachsene mit ADHS zugelassen. Das Besondere daran (Quelle):

„Das Präparat von Shire ist nach Unternehmensangaben das erste und einzige Stimulans-Prodrug. Der Wirkstoff wird erst aktiv, wenn er im Gastrointestinaltrakt verstoffwechselt wird. Die Missbrauchs- und Überdosierungsrisiken seien daher gering.“

Der Wirkstoff ist eine chemische Verbindung von D-Amphetamin mit der Aminosäure L-Lysin. Diese wird erst im Magen-Darm-Trakt oder in der Leber abgespalten und gibt so den eigentlich wirksamen Stoff frei.

Dass das Medikament besser wirkt als bereits seit längerer Zeit eingesetzte Amphetamin-Derivate, halte ich für weniger wahrscheinlich. Es wird sicherlich ähnlich wirksam sein wie Adderall oder Dexedrine, die ebenfalls D-Amphetamin enthalten. Aber die häufig geäußerte Befürchtung, diese Stimulanzien könnten missbräuchlich eingesetzt werden, ist bei Vyvanse wohl kaum noch gerechtfertigt. Möglicherweise eignet es sich auch für ADHSler mit bekannter Drogenkarriere. Das wäre sehr zu begrüßen.

Ich hoffe, dass die D-Amphetamin-Präparate bald auch in Deutschland zugelassen werden. Zur Zeit gibt es hier lediglich Methylphenidat als das einzige Stimulanz, und das ist auch nur bei Kindern zugelassen. Es wird langsam Zeit, dass wir hier einen Schritt voran kommen.

Hintergrund:

Viele ADHS-Patienten klagen über Schlafstörungen unterschiedlicher Art. Darunter scheint das Schlafphasenverzögerungssyndrom (Delayed Sleep Phase Syndrome, DSPS) weit verbreitet zu sein. Es handelt sich dabei um das Phänomen, dass der physiologische Tag-Nacht-Rhythmus (zirkadianer Rhythmus) um einige Stunden nach hinten verschoben ist. Betroffene werden abends nicht zu den üblichen Zeiten müde, sondern erreichen erst tief in der Nacht – manchmal sogar erst am frühen Morgen – die nötige „Bettschwere“, um einschlafen zu können. Im Gegenzug dazu fällt es ihnen enorm schwer, zu den allseits üblichen Zeiten morgens aufzustehen, nach ihrem Rhythmus würden sie erst im Laufe des Vormittags – manchmal erst am Nachmittag – aus dem Bett aufstehen.

Meines Wissens existieren derzeit keine Untersuchungen über die Prävalenz dieser Erkrankung bei ADHSlern. Deshalb startete ich in einem ADHS-Forum eine Umfrage über die Häufigkeit und die Ausprägung einer  solchen Rhythmusverschiebung bei ADHS-Betroffenen. Mit aktuell 31 Teilnehmern (Stand: 23.09.2008 13:50 Uhr)  erhebt diese Umfrage natürlich keinen Anspruch auf Repräsentativität. Auch bleibt unklar, wie viele ADHSler, die ihren Tag-Nacht-Rhythmus als normal beschreiben würden, sich überhaupt an der Umfrage beteiligten. Dennoch ist es verblüffend, dass lediglich zwei Befragte (!) ihren Rhythmus für normal hielten. Der größte Teil (nämlich 26 Befragte; 83,9%) gab eine Rhythmusverschiebung nach hinten an, während 4 Personen sagten, ihr Tag-Nacht-Rhythmus beträge mehr als 24 Stunden. In der Mehrzahl (65,6%) lag die Verzögerung zwischen drei und sechs Stunden. DSPS scheint also eine häufige Komorbidität des ADHS zu sein, hierzu sollte auf jeden Fall weitere Forschung betrieben werden.

Der ADHS-Spezialist Dr. Martin Winkler schreibt zu diesem Thema:

„Dies hat u. a. auch mit der Produktion und Verfügbarkeit des für den Schlaf wichtigen Melatonin zu tun. Melatonin ist quasi das körpereigene „Schlafsignal“. Man vermutet, dass bei ADHS-Klienten dieses Signal entweder nicht ausreichend oder aber zum falschen Zeitpunkt (spät in der Nacht) ausgeschüttet wird.“

Bei Melatonin handelt es sich um das körpereigene Schlafhormon. Es wird bei Gesunden in Abhängigkeit von der Lichteinstrahlung vorwiegend während der Nacht in die Blutbahn ausgeschüttet und erhöht die Wahrscheinlichkeit einzuschlafen. Somit trägt es zur Synchronisation von Körperfunktionen mit dem von der Natur vorgegebenen Tag-Nacht-Rhythmus bei. Eine verzögerte Ausschüttung von Melatonin könnte also ein Hinweis, möglicherweise sogar die Ursache für ein Schlafphasenverzögerungssyndrom bei ADHS-Patienten sein. Der Melatoninspiegel im Blut lässt sich nur sehr umständlich bestimmen, da es in der Blutprobe (ohne Kühlung) schnell abgebaut wird. Zudem wären wiederholte Blutentnahmen über 24 Stunden nötig, um ein DSPS zu diagnostizieren. Eine Analyse des Melatoninspiegels im Speichel ist möglich, jedoch ungenauer als die des Blutspiegels.

Die Frage, die sich nun aufdrängt, ist: Kann man etwas gegen DSPS tun? Hierzu schreibt Dr. Winkler folgendes (selbige Quelle):

„Bei dieser Form von Schlafstörungen kann eine gezielte Behandlung am Abend mit Melatonin angezeigt sein.“

Melatonin ist rezeptpflichtig und kann von der Apotheke z. B. in Form von Kapseln hergestellt werden. In den USA gilt es als Nahrungsergänzungsmittel und ist dort frei verkäuflich.  Die übliche Dosis beträgt zwischen 2 und 5 mg. Meines Wissens kann man sie auf bis zu 10 mg steigern. Jedoch ist zu bedenken, dass eine merkliche Wirkung auch erst nach einigen Wochen eintreten kann. Es sollte möglichst immer zur gleichen Zeit eingenommen werden, und man sollte innerhalb einer Stunde nach Einnahme auch zu Bett gehen. Melatonin soll neben weiteren Effekten auch die Schlafqualität verbessern.

Mit Circadin gibt es seit kurzer Zeit das erste Melatonin-Fertigpräparat in Deutschland, das allerdings nur für Patienten ab 55 Jahren mit primärer Insomnie zugelassen ist. Eine Anwendung bei ADHS wäre also nur im Rahmen eines Off-Label-Use möglich. Das Besondere daran ist, dass es den Wirkstoff kontinuierlich über die Nacht verteilt freisetzt und somit die physiologische Freisetzung des Organismus imitiert. Anders ist dies bei den von Apotheken hergestellten Kapseln, die keine retardierte Freisetzung ermöglichen. Mit seiner Halbwertszeit zwischen 30 und 50 Minuten ist das Melatonin deshalb nach kurzer Zeit wieder abgebaut.

Meine eigenen Erfahrungen:

Da ich wahrscheinlich ebenfalls von einem Schlafphasenverzögerungssyndrom betroffen bin, habe ich Melatonin ausprobiert. Zunächst versuchte ich es mit 2 mg am Abend. Daraufhin hatte ich nicht das Gefühl, besser geschlafen zu haben. Der Schlaf war fast unverändert, eventuell sogar etwas schlechter.

Deshalb versuchte ich es nach einiger Zeit mit 5 mg. Dabei fühlte ich mich kurz nach der Einnahme sogar etwas munterer als zuvor, vielleicht eine paradoxe Medikamentenwirkung (die bei ADHS ja relativ häufig auftreten kann). Ich wachte im Vergleich zu sonst viel früher am Morgen auf, endlich einmal zu einer „normalen“ Zeit. Allerdings war ich den ganzen Tag mehr müde als sonst und hatte das Gefühl, die ADHS-Symptome haben sich etwas verstärkt.

Ich steigerte die Dosis über ein paar Tage bis auf 10 mg. Das war eindeutig zu viel! Die Schlafqualität war schlechter als zuvor. Und ich fühlte mich ein wenig wie von der Außenwelt abgeschottet. Ich war den Tag lang sehr benommen und hatte stärkere ADHS-Symptome als sonst.

Deshalb ließ ich das Melatonin für eine Weile bleiben. Als dann das Circadin aufkam, vereinbarte ich mit meinem Arzt noch einmal einen Versuch damit. Circadin enthält 2 mg und setzt das Melatonin während der gesamten Nacht frei (siehe oben). Dieser Versuch ging vollends in die Hose! Der Schlaf war so schlecht wie lange nicht mehr. Aufgrund dessen war für mich der nächste Tag komplett gelaufen, weil ich mich kaum aufrecht halten konnte. Die kontinuierliche Freisetzung war also absolut nichts für mich!

Ich muss an dieser Stelle erwähnen, dass ich neben der Rhythmusverschiebung auch unter einer generell schlechten Schlafqualität leide (primäre Insomnie), die bis zu diesem Zeitpunkt durch die Melatonin-Versuche zusätzlich verschlechtert wurde. Jemand anderes würde möglicherweise nicht so drastisch oder sogar positiv darauf reagieren.

Zunächst wollte ich das Melatonin also gänzlich sein lassen. Da mir aber das verspätete Einschlafen und das Nicht-aus-dem-Bett-kommen-wollen immer wieder zu schaffen machten, unternahm ich noch einen letzten Versuch mit einer sehr niedrigen Dosis. Ich öffnete eine Melatonin-Kapsel und entnahm nur einen geringen Teil, der etwa 0,5 mg entsprach. Am nächsten Morgen wachte ich wieder zu einer „normalen“ Zeit auf (etwa 7.30 Uhr). Die Müdigkeit am Tage hielt sich in Grenzen, und die ADHS-Symptome waren so gut wie unverändert. Diese Dosis hielt ich bis heute bei und komme relativ gut damit zurecht. Mit Melatonin hat sich meine Einschlafphase verkürzt. Ich nehme das Melatonin 23 Uhr und gehe (fast immer) innerhalb einer Stunde danach zu Bett. Vor allem schlafe ich dann auch ein, was mir sonst immer wieder schwer fiel.

Mein Fazit:

  • Melatonin ist nicht nebenwirkungsfrei (hätte ich auch nicht erwartet)
  • Wie bei allen Medikamenten kommt es auf die richtige Dosis an
  • Man sollte aus meiner Sicht mit niedrigen Dosen beginnen
  • Ein Effekt ist erst nach längerer Einnahme zu erzielen
  • Man muss sich an die regelmäßige Einnahme zur gleichen Zeit halten
  • Es kann ein Schlafphasenverzögerungssyndrom bekämpfen (früheres Erwachen zu den üblichen Zeiten, kürzere Einschlafphase), ist aber kein Allheil- oder Wundermittel
  • Die Anwendung sollte natürlich in Abstimmung mit einem Arzt (bestenfalls einem Facharzt für Neurologie oder Psychiatrie) erfolgen

P. S.: Die hier getroffenen Aussagen beruhen zum größten Teil auf Erkenntnissen aus dem Selbststudium oder aus Gesprächen mit Ärzten. Ich bin dabei auf die Korrektheit der Aussagen bedacht. Dennoch kann und soll dieser Artikel die Konsultation eines Arztes und die Inanspruchnahme seiner Beratung nicht ersetzen. Es bleibt die Pflicht des Lesers, die hier getroffenen Aussagen auf ihren Wahrheitsgehalt zu überprüfen oder von einem Spezialisten überprüfen zu lassen. Sollte es wider meiner Absicht zu Falschaussagen oder ungenauen Darstellungen von Fakten gekommen sein, so bitte ich um entsprechende Hinweise im Kommentar.

Gerade auf Pro7 gesehen: Galileo Mystery! Eigentlich finde ich diese Sendung meistens weniger berauschend. Eher pseudowissenschaftlich, pseudosensationell und ein wenig zusammengezimmert. Wenn man Lust hat, taugt es als Unterhaltung, jedoch kann ich die Sendung meistens nicht ernst nehmen. Doch heute war ich angenehm überrascht. Es ging um Astrologie. Ist da was Wahres dran?

In der Sendung wurde ein Test durchgeführt: Eine hochrangige Astrologin und ein Pro7-Journalist machten Vorhersagen für vier Wochen, die danach mit den Schlagzeilen der Zeitungen aus dieser Zeit verglichen wurden. Sie natürlich mit Hilfe astrologischer Sterndeutung, er aufgrund von aufmerksam gelesenen Zeitungsartikeln und gesundem Menschenverstand.

Und was kam raus dabei? Nun, einen Teil der Aussagen beider Kontrahenten konnte man auch ohne Sternekucken vorhersehen. Sie trafen ein (z. B. die Vorhersage, dass Medwedew zum Ministerpräsidenten Russlands gewählt wird). Ansonsten waren die astrologischen Vorhersagen zu ungenau, zu allgemein gehalten, trafen zum falschen Zeitpunkt ein oder wurden mit mehreren Aussagen verknüpft, um die Wahrscheinlichkeit einer wahren Vorhersage zu erhöhen. Die beleidigte Reaktion seitens der Astrologin auf diese Vorwürfe schien mir nicht ganz untypisch.

Das Fazit von Galileo war: Der Astrologie konnte man keine wirklich wahren Vorhersagen nachweisen. Das Ergebnis überraschte mich wenig, doch hätte ich nicht gedacht, dass die Sendung diesmal gar nicht so unseriös gestaltet war wie sonst. Freilich nicht ohne die typische übertreibende Aufmache, aber inhaltlich gar nicht mal schlecht. Das sollte so bleiben.

Für die, die es interessiert: HIER findet man den ersten Teil auf YouTube. Die weiteren dann unter „Ähnliche Videos“.

Wenn ich schon bald sterben muss, weil ein paar Forscher in Genf das Universum verstehen wollen, dann ist die Variante, von einem Schwarzen Loch aufgesogen zu werden, doch gar nicht sooo schlecht: kurz und schmerzlos. In knapp 40 Sekunden ist die ganze Erde weg. Da bleibt weder Zeit zum Bemerken der ganzen Sache, noch, um davor Angst zu haben:

Nachdem ich schon bei Achter und auf der Seite „Begrenzte Wissenschaft“ über den Large Hadron Collider gelesen habe, will auch ich einen kurzen Artikel dazu schreiben. Vor allem, um auf die Informationsseite des ZDF hinzuweisen, auf der nicht nur eine für Laien ausreichende Zusammenfassung der wichtigsten Fakten, sondern auch mehrere Video-Beiträge und weiterführende Links zusammengestellt wurden. Ab heute beginnen in der 27 m langen unterirdischen Röhre die ersten Experimente.

Auch Prof. Harald Lesch – man erinnere sich, der neue Moderator von „Abenteuer Forschung“ – äußert sich zum Thema. Der Befürchtung einiger Kritiker, die Angst davor haben, dass bei dem Experiment Schwarze Löcher entstehen könnten, welche in einem Weltuntergangs-Szenario alles um sie herum, und somit auch die Erde und ihre Bewohner, in sich hineinziehen könnten, begegnet er so (Quelle):

„Ich kann beruhigen, es wird weder ein künstlicher Urknall in Genf erzeugt, noch werden Schwarze Löcher durch die Weltgeschichte laufen und werden uns auffressen. Die Kritiker, die das gerne haben wollen, [...], die haben, glaube ich, zu wenig ins Weltall geschaut, denn das Universum macht solche Reaktionen, die das LHC künstlich hervorruft, ja schon seit Jahrmilliarden [...]. Wenn jedes Mal ein Schwarzes Loch entstanden wäre, dann gäbe es die Kritiker gar nicht [...].“

An dieser Stelle möchte ich auch auf die Sicherheitserklärung zum LHC (PDF) hinweisen.

Sehr beeindruckend finde ich das enorme Ausmaß an Technik, das in diese Anlage eingebaut wurde. Um nur ein paar Zahlen zu nennen:

  • 1232 Elektromagneten ermöglichen die Führung der Teilchenstrahlen innerhalb des unterirdischen Kreises
  • Messgeräte, die einige Tausend Tonnen wiegen und jeweils die Größe eines Wohnblocks besitzen, führen die Messungen während der Teilchenkollisionen durch
  • die Temperatur innerhalb der Röhre beträgt -271 °C (fast die niedrigste überhaupt mögliche Temperatur im Universum)
  • die Datenmenge, die pro Jahr aufgezeichnet wird, beträgt 16 Peta-Byte (=16 Billiarden Byte)!, was dem Umfang des gesamten Internets entsprechen würde

Man könnte sich natürlich die Frage stellen, warum dieser ganze Aufwand betrieben wird. Hier handelt es sich tatsächlich „nur“ um Grundlagenforschung ohne sofort erkennbaren effektiven Nutzen für die Menschheit. Aber gerade diese Grundlagenforschung ist nötig für das Verständnis unserer Welt und für die Entwicklung neuer Technologien. Dinge, deren Entwicklung wir zur Zeit nur annähernd vorhersehen können. Dass es sie aber geben wird, bezweifle ich nicht.

Wie viele Drogen (z.B. Extasy) führt auch der regelmäßige Konsum von Cannabis zum Tod von Hirnzellen. Diese aus meiner Sicht weniger verwunderliche Erkenntnis wurde von australischen Forschern nun nachgewießen. Demnach sind vor allem Hirnstrukturen, welche für Erinnerung, Angst und Aggression verantwortlich sind, vom Zelluntergang betroffen. Die Studie spricht zum Teil gegen jüngere Studien, die Cannabis eine neuroprotektive Wirkung zusprachen. Jedoch war auch schon länger bekannt, dass regelmäßiges Kiffen bei einigen Personen eine Schizophrenie auslösen kann. Das letzte Wort hinsichtlich aller gesundheitlichen Auswirkungen ist wahrscheinlich noch nicht gesprochen.

Außer in der Drogenszene kommt der Hauptwirkstoff Tetrahydrocannabinol (THC) auch in der Medizin zu Anwendung, wenn auch eher selten. Er kann unter anderem gegen das Tourette-Syndrom, Depressionen oder Schmerzen uvm. eingesetzt werden.

Nun ja, ich denke, einmal ist kein Mal. Aber alles, was regelmäßig ist, sollte man lieber bleiben lassen.

Ab dem 3. September übernimmt der Astrophysiker Prof. Dr. Harald Lesch die Sendung „Abenteuer Forschung“ im ZDF von seinem Vorgänger Dr. Joachim Bublath (u. a. „Knoff Hoff“). Somit bekommt eine der bedeutendsten deutschen Wissenschaftssendungen ein neues Gesicht.

Harald Lesch, der mich oft genug auch durch seine Sendung „alpha-Centauri“ begeisterte, ist aus meiner Sicht bestens geeignet, Bublaths Nachfolge anzutreten. Der sympathische Wissenschaftler schafft es immer wieder, auch kompliziertere Zusammenhänge für Laien verständlich zu erklären. Seine Vorträge zeigen, dass man Wissenschaft interessant vermitteln kann und der Humor dabei nicht verloren gehen muss.

Harald Lesch zu seiner künftigen Sendung (Quelle):

„Hier geht es nicht um reißerische Eventwissenschaft, die sich nur über Katastrophenszenarien und geheimnisvolle, fast schon esoterische Themen definiert. Sie ist auch keine „Sendung mit der Maus für Erwachsene“. Nein, „Abenteuer Forschung“ verlangt vom Zuschauer etwas, nämlich Aufmerksamkeit und dafür wird er aber auch belohnt mit faszinierenden Bildern und Erklärungen zu den wichtigsten Fragen der Gegenwart und Zukunft.“

Ein kleiner Vorgeschmack auf die erste Sendung am 03.09.2008 um 22.15 Uhr (ZDF-Mediathek)

Interaktives Interview mit Harald Lesch (ebenfalls ZDF-Mediathek)

Nachtrag:

(03.09.2008)

HIER geht’s zur Sendung (ZDF-Mediathek), leider nur 7 Tage abrufbar.

Wie heute in den Nachrichten zu vernehmen war, hat das Bundesland Sachsen laut INSM-Bildungsmonitor 2008 das beste Bildungssystem, dicht gefolgt von Baden-Württemberg und Thüringen. Tja, ich habe schon immer gewusst, dass ich auf mein Heimatland stolz sein kann.

Ach übrigens, aus Sachsen kommt auch der erste Deutsche, der die Erde aus dem All betrachten konnte, Sigmund Jähn. Gestern feierte er das 30-jährige Jubiläum seines Weltraumfluges.

Ja, mir Sachsen sinn eb’n helle!

Nachtrag:

(28.08.2008)

Aufgrund Achters Kommentar (s. unten) habe ich noch ein wenig recherchiert und folgendes Zitat aus der Pressemitteilung zum 2. Nationalen Bildungsbericht (PDF) (www.bildungsbericht.de) gefunden:

Sozialer Status und Bildungsstand der Herkunftsfamilie: Einfluss verstärkt sich bis zum Übergang in die Hochschule.

Mit einem höheren sozioökonomischen Status gehen bis zu dreimal geringere Hauptschul- und bis zu fünfmal höhere Gymnasialbesuchsquoten einher. Internationale Schulleistungsstudien zeigen, dass die Kopplung zwischen sozialem Status der Herkunftsfamilie und erworbenen Kompetenzen in Deutschland nach wie vor stärker ausgeprägt ist als in anderen Staaten. Auch der Hochschulzugang erzeugt neue Disparitäten: Kinder aus Akademikerfamilien nehmen bei gleichen Abiturnoten häufiger ein Studium auf als Kinder aus nichtakademischen Elternhäusern.“

Es handelt sich bei der Korrelation zwischen sozioökonomischem Status und Bildungskompetenzen also sogar um ein gesamtdeutsches Problem.

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