Foggy Days

Ich habe mir überlegt, dass es vielleicht einige Leute interessieren könnte, wie es sich so anfühlt, dieses ADHS. Nun, eigentlich kann ich da nur von mir sprechen, ohne auf alle ADHSler zu schließen. Und in meinem Fall wäre es genauer, von einem ADS zu sprechen, da ich so gut wie gar nicht hyperaktiv bin. Meine Beschreibung trifft daher vor allem für die überwiegend unaufmerksamen Betroffenen zu. AD(H)S ist ein sehr komplexes Krankheitsbild. Es in ein paar Worten zu beschreiben, ist nicht so ganz leicht. Ich möchte mich daher nur auf die wesentlichsten Einschränkungen, die ich durch ADS hatte und teilweise auch noch habe, beschränken.

Das wohl größte Manko war, dass ich viele Dinge im Alltag einfach nicht mitbekam. Ich war „dauerunaufmerksam“, wenn man so will. Das heißt, ich sah manchmal den Wald vor lauter Bäumen nicht. Fand z. B. den Schlüssel nicht, den ich suchte, obwohl er vor meiner Nase lag. Es kam schon vor, dass ich im Supermarkt den Joghurt nicht fand, obwohl ich vor dem Joghurtregal stand (zugegeben ein sehr extremer Fall). Mir ist es auch schon passiert, dass ich mit meiner neu gekauften Jacke auf die Straße gegangen bin und mich dann jemand ansprach, dass das Preisschild noch dranhängt – wie peinlich! Auch bin ich in vielen Situationen einfach gedanklich „weggedriftet“, ohne dass ich dagegen etwas machen konnte, meistens habe ich es noch nicht einmal gleich bemerkt. Derlei Verpeiler gab und gibt es des öfteren. Mancher mag denken, soetwas passiert jedem einmal. Aber dass es regelmäßig passiert ist und viel zu oft, ist das Unnormale daran. Keine Frage, dass sich das auf Dauer auf das Gemüt niederschlägt, wenn man von ADS noch nichts weiß. Zwangsläufig denkt man: Irgendwie bin ich ein bissl bekloppt.

Sehr nervend und anstrengend waren auch die Konzentrationsstörungen. Ich hatte oftmals erhebliche Mühe, einen Text im Buch zu lesen. Was für viele kein Problem ist, fällt mir teilweise heute noch schwer. Ich habe als Kind kaum Bücher gelesen, obwohl ich mich für vieles interessiert habe und begeistern konnte. Tageszeitungen waren eigentlich noch nie mein Ding, höchstens dass ich mal die Überschriften quergelesen habe. In der Schule war ich einer der langsamsten Leser meiner Klasse, während ich ansonsten einer der guten Schüler war. Was hätte ich im Laufe meines Lebens nicht alles in Büchern entdecken können, wenn es für mich nicht so anstrengend gewesen wäre, sie zu lesen! Aber leider wurde ich dabei viel zu schnell müde oder bekam Kopfschmerzen.

Auch noch so eine Sache: diese permanente Müdigkeit, die macht einem sehr zu schaffen. In einem Buch habe ich gelesen, man fühlt sich mit ADS, als säße man nach dem Mittagessen in der prallen Mittagshitze, nachdem man gerade einen halben Liter Rotwein getrunken hat. Das trifft es ganz gut. So ein Gefühl hatte ich manchmal den ganzen Tag. Dadurch war ich wie dauerhaft benebelt. Viele Sinneseindrücke (manche Geräusche oder auch Gerüche) nahm ich gar nicht wahr.

Auch das morgendliche Aufstehen war ein ständiger Kampf. Jetzt wird der eine oder andere denken: Das ist ja normal. Aber bei mir war es regelmäßig so. Und vor allem fühlte ich mich jeden Morgen wie gerädert, so als hätte ich die Nacht durchgefeiert und mich danach nur mal ’ne Stunde aufs Ohr gehauen! Das war mitnichten normal und hat zur Symptomatik sicherlich auch beigetragen.

Glücklicherweise sind diese schlimmen Zeiten vorbei. Zwar habe ich immernoch ein paar dieser Einschränkungen. Aber dank der heutigen Medizin hat sich schon vieles gebessert, und es geht vorwärts. Also für alle Mit-AD(H)Sler, die das hier lesen: Lasst Euch nicht entmutigen, man kann Euch helfen!

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