In welcher Liga spielt das deutsche Fernsehen?

Eigentlich wollte ich mich nicht zu den Olympischen Spielen äußern, außer um sportliche Ereignisse zu kommentieren. Alles drum herum sollte in diesem Blog außen vor bleiben. Ich habe meine Meinung geändert. Die Spiele dauern noch sechs Tage – Zeit, um eine kleine Zwischenbilanz zu ziehen. Über die Spiele selbst werde ich vielleicht etwas sagen, wenn sie ganz vorbei sind. Aber zur Berichterstattung kann ich schon jetzt ein paar Worte verlieren.

Im Großen und Ganzen bin ich zufrieden mit der Arbeit von ARD und ZDF. Allerdings gibt es dann doch so einige Dinge, die mich stören. Angestoßen durch Beiträge im Olympia-Forum des ZDF bemerkte ich die Sendung „Olympia highlights“ vom 14.08.2008 mit Johannes B. Kerner. Einige der Forums-User eschoffierten sich über JBK beim Interview mit Michael Johnson, mehrfacher Leichtathletik-Olympiasieger. Als ich mir dann selbst ein Bild davon machte, verstand ich, worum es ging: Johannes B. Kerner stellte dem Sportler folgende Frage:

„Können Sie verstehen, dass es kritische Stimmen gibt, die sagen: Ausgerechnet der Schnellste aus der Staffel, Michael Johnson, soll nichts genommen haben?“

Mit welchem Recht stellt er einen solchen Sportler unter Dopingverdacht, ohne dass es Hinweise dafür gibt? Als Johnson darauf entgegnet, dies sei eine dumme Frage, fühlt sich JBK beleidigt, anstatt zu merken, dass das unangebracht war. Er verteidigt seine Frage und setzt mit seiner letzten noch eins obendrauf:

„Ich habe noch eine ganz unwesentliche Frage zum Schluss, aber die ist ganz deutlich: Haben Sie jemals gedopt?“

Das war wirklich keine Glanzleistung, Herr Kerner (schaut es Euch ruhig mal an, dann versteht Ihr, was ich meine).

Ein weiteres Beispiel, das ich nicht recherchiert, sondern nur nachgelesen habe (Quelle):

„Den Höhepunkt der Instinktlosigkeit erlebte ich in der heutigen Leichtathletikberichterstattung.
Da springt eine Frau 5,05m – Weltrkord !!! – 90000 Menschen jubeln – die Siegerin auf der Ehrenrunde – der ZDF-Reporter: Dopingverdacht besteht bei solchen Leistungen immer.“

Es scheint zu stimmen, was M. Johnson bei Kerner sagte. Nämlich, dass das Thema Doping im deutschen Fernsehen die Berichterstattung dominiert.

Zunächst einmal, finde ich: Solange man einen Sportler nicht des Dopings überführt hat, sollte die Unschuldsvermutung bestehen. Dass Doping im Sport eine Rolle spielt, ist klar. Dass man darüber berichten und diskutieren muss, ebenfalls. Aber ein solcher Generalverdacht aller Sportler, welche außergewöhnliche Leistungen erbringen, ist unprofessionell und unzulässig. Ich frage mich, warum das so ist, und habe keine richtige Antwort. Gibt es zu wenig über deutsche Erfolge zu berichten, oder warum muss man ausländische Sportler misskreditieren?

Noch ein anderes Beispiel, diesmal die ARD:

Eigentlich hielt ich bis jetzt sehr viel von Sandra Maischberger. Doch auch bei ihr kam ich ins Zweifeln. In der Eröffnungsveranstaltung zu den Olympischen Spielen war die Moderatorin permanent auf der Suche nach Sportlern, die sich beim Einmarsch ins Stadion zur Menschenrechtssituation äußern (auf Plakaten o. ä.) . Immer wieder fragte sie danach. Dabei wusste jeder Sportler, dass ihm die Wettkampfteilnahme verweigert werden könnte, sollte er dies tun. Was also wurde da erwartet?

All diese Dinge werfen in mir die Frage auf, ob die Berichterstatter der öffentlich rechtlichen Medien ausreichend Professionalität aufbringen, um dem Zuschauer eine sinnvolle und vor allem sachliche Berichterstattung zu liefern. Schließlich bezahlt nahezu jeder Deutsche Bürger seine Gebühren. Und die beiden Hauptsender betonen ihre Unabhängigkeit, aber auch ihre Professionalität.  Sind differenzierte Sichtweisen bei ihnen noch möglich? Ich kann nur hoffen, dass die Beiträge in den Sender-Foren auch von den Verantwortlichen gelesen werden und mal drüber nachgedacht wird. Immerhin geben die Sender einem die Möglichkeit, seine Meinung im Forum zu äußern, das muss man fairerweise anerkennen.

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3 Gedanken zu “In welcher Liga spielt das deutsche Fernsehen?

  1. Die Meinungen gehen sehr auseinander, was Doping betrifft. Einige Menschen sagen, Leistungssport ginge nur noch mit Doping, oder das IOC sei ein reines Wirtschaftsunternehmen. Ich weiß nicht, inwiefern da was dran ist. Gelder spielen sicher eine Rolle bei solch großen Sportereignissen. Aber alles nur Lug und Trug? Mit dem Gedanken kann ich mich nicht anfreunden.
    Sicher muss Doping bekämpft werden. Aber alle Sieger oder Rekordaufsteller zu verdächtigen, ist mir zu leichtfertig. Ich als Zuschauer möchte einfach mit den Sportlern mitfiebern, mich mitfreuen oder mittrauern. Und das möglichst ohne haltlose Verurteilungen.

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