Ein Leben mit AD(H)S – die Welt anders sehen und begreifen: Allgemeines

Nur, damit der Laie in etwa bescheid weiß, worum es gehen soll, möchte ich kurz erläutern, was AD(H)S ist.

Diese Abkürzung steht für Aufmerksamkeitsdefizit-Hyperaktivitäts-Syndrom. Dieses Syndrom existiert auch ohne „H“, sprich ohne Hyperaktivität und wird dann als „ADS“ bezeichnet. Es handelt sich um eine Krankheit (über diese Tatsache, herrscht noch keine Einigkeit), die zu einem erheblichen Maße durch die Gene bestimmt wird. Man geht von einer Erblichkeit von 90% aus, wobei die Zahlen nicht ganz einheitlich sind. In der Regel besteht ADHS seit der Kindheit, und bei etwa zwei Dritteln der betroffenen Kinder bleibt die Erkrankung bis ins Erwachsenenalter – und damit lebenslang – bestehen. Diese Erkenntnis ist noch sehr jung, so dass es immernoch viele undiagnostizierte erwachsene ADHSler geben dürfte.

Die Kardinalsymptome sind Aufmerksamkeits- und Konzentrationsstörungen, Hyperaktivität und Impulsivität. Hinzu kommen viele weitere, auf die ich in den einzelnen Artikeln eingehen werde. Ein ADHS-Patient muss nicht immer Symptome zeigen. In leichteren Fällen treten sie erst unter Stressbedingungen oder höheren Anforderungen bzw. nach einer Dauerbelastung auf, was die Diagnose nicht unbedingt erleichtert. Dennoch ziehen sie sich durch das gesamte Leben und sind nicht nur in einer kurzen Lebensphase vorhanden.

Fast alle Symptome des ADHS kennt auch ein Nichtbetroffener sehr gut. Jeder war schon einmal unkonzentriert, fahrig, impulsiv, unaufmerksam, tollpatschig, nervös, schlecht gelaunt, gereizt usw.  Das führt oft dazu, dass Menschen sagen, ADHS gäbe es nicht. Damit liegen sie jedoch falsch. Der Unterschied, der letztendlich entscheidend ist, ist das kontinuierliche Vorhandensein solcher Symptome bzw. das reproduzierbare Auftreten in einer stressigen Situation, welches eben nicht allein von der Tagesform abhängt, oder davon, wie gut man geschlafen hat, und in der Regel auch zu starken Schwierigkeiten im Beruf, im sozialen Umfeld, in zwischenmenschlichen Beziehungen oder in der Selbstorganisation führt bzw. weiteren seelischen Schaden anrichtet.

Eines ist mir noch wichtig zu erwähnen: ADHSler sind nicht weniger intelligent oder minder begabt als Nichtbetroffene. Es kann jedoch sein, dass das manchmal nach außen hin so wirkt, weil ein  ADHSler in vielen kognitiven Fähigkeiten eingeschränkt sein kann. Das liegt jedoch eher an der schlechten Umsetzung der eigenen Fähigkeiten und nicht daran, dass sie prinzipiell nicht vorhanden wären. So kommt es dazu, dass die kognitiven Leistungen bei ADHS starken Schwankungen ausgesetzt sein können, so dass der Betroffene eine Sache an einem Tag sehr gut kann und sie am nächsten Tag kaum hinbekommt. Oft führt das zu großer Verunsicherung bei Betroffenen, weil sie unbewusst wahrnehmen, dass sie sich  auf ihre Fähigkeiten nicht verlassen können. Nicht wenige ADHSler sind hochbegabt, der Anteil Hochbegabter unter ADHS-Betroffenen ist mindestens genauso hoch wie unter Nichtbetroffenen.

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