Nicht alle waren Mörder

Ich muss mal meinen Senf zu diesem eben gesehenen Film abgeben, bevor ich gleich ins Bett gehe.

Ein in meinen Augen sehr guter Film, der in vielen Szenen sehr nahe geht und nicht an Spannung verliert. Ein hochwertiger Film mit einer realistischen Darstellung der Geschichte einer jüdischen Mutter, die zwei Jahre lang zusammen mit ihrem Sohn vor der Verhaftung durch die Nazis flieht und dabei glücklicherweise immer wieder auf Menschen trifft, die sie unterstützen. Viele gute schauspielerische Leistungen, darunter halte ich besonders die Mutter (Nadja Uhl), ihren Sohn (Aaron Altaras) und Herrn Redlich (Axel Prahl), der am Ende des Films seinen Sohn verlor, besonders erwähnenswert.

Einen Makel hatte der Film allerdings: Warum sendet die ARD einen so hochwertigen Film, der neben Unterhaltung auch einen hohen Aufklärungswert besitzt, erst eine halbe Stunde vor Mitternacht? Ist es denn so wichtig, zur Hauptsendezeit den eher harmlosen Film namens „Der Hochzeitswalzer“ ins Programm zu nehmen und dann noch einen Tatort dran zu hängen, bevor das Publikum reif für einen historischen Spielfilm ist? Stellt dieser Film zu hohe Anforderungen an den Durchschnitts-Zuschauer? Keineswegs, finde ich. Mensch Leute, Ihr müsst Eurem Publikum auch mal was zutrauen! Deutschland besteht doch nicht nur aus Deppen!

6 Gedanken zu “Nicht alle waren Mörder

  1. Es ist in der Tat wirklich erstaunlich, wie massiv Deutschland sich selbst verdrängt. Es gibt bestimmt jede Menge Deppen im Publikum, aber eine „mindere“ Mehrheit hat doch zunehmend die Schnauze voll von dem Programm-Debakel?! Auf jeden Fall sollten sich die Programm-Direktoren mal untersuchen, inwiefern das Deppentum auf sie zutrifft!

    Hab‘ gerade eines meiner erwachsenen Kinder zu Besuch, welches schon lange im Ausland lebt und kopfschüttelnd fragt: Was ist denn da eigentlich mit den „Öffentlich rechtlichen Sendern“ los? Kann man da nix machen als GEZ-Zahler? Revolution oder sowas?😉

    Wundert man sich also nicht mehr, daß lieber gebloggt wird, als sich den alltäglichen Psycho-Proll-Schrott im TV anzuschauen – die guten Sendungen kann man sich als Brotverdiener nicht leisten (der Wecker klingelt!) – so sieht’s aus ….

  2. Schlau ist der Sendeplatz aus Versehen guter Sendungen oftmals nicht. Zumal Herr Reich-Ranicki dann wahrscheinlich schon schläft, und da muss man sich ja nicht wundern, wenn er und alle anderen die lesen können, verpassen, wenn mal etwas Anschaubares im TV läuft.

    Edit: Kommentar korrigiert (in der Annahme Deiner Erlaubnis).

  3. Ja, so ist es. Zumal der Film kein großes Hintergrundwissen vorausgesetzt hat, halt die wichtigsten Kenntnisse zur NS-Zeit.
    Es ging vielmehr darum, sich mit den Opfern zu identifizieren und zu begreifen, was es bedeutete, im damaligen Deutschland vor der Gestapo und damit dem Tod im KZ zu fliehen.
    Ich kann mir nicht vorstellen, dass in der Bevölkerung kaum Interesse an so einem Film besteht, während die NS-Zeit ansonsten in vielerlei Dokumentationen zum Quotenfang genutzt wird.

  4. hallo, (interessanter blog)
    jetzt aber zum thema,
    auch wenn ich den film nicht gesehen hab kann ich dir nur zustimmen! Es geht schnell berg ab mit der quallität und schon lange nicht nur in privaten sendern!
    Das schlimmste was mir in jüngster vergangenheit auffiehl:
    Dank meines kleinen bruders schau ich des öfteren KIKA. Nun erwarte ich hier keine intelektuellen hochflüge aber ich kann einfach nicht verstehen wie die „wissensendungen“ die um ca 19:30 – 20:00 kamen durch eine casting show namens „dein song“ ersetzt werden konnten! zählt denn wirklich nur noch die quantität der einschaltquoten?

  5. Da kann ich jetzt zwar nicht richtig mitreden, aber wenn das so ist, dann wäre das mal wieder typisch.

    Generell muss ich feststellen, dass immer mehr von den Sendern selbstproduziertes „Billigfernsehen“ gesendet wird. Ein Kameramann hängt sich an eine Familie und dokumentiert alles, was die so machen. Und schon hat man wieder eine Stunde Sendeplatz gefüllt. Ob es nun um Frauentausch geht, Einsatz in vier Wänden, Einsatz am Herd oder irgendeine „Reportage“ über den Berufsalltag eines Müllmanns. Alles das gleiche Konzept.

    Früher kamen stattdessen ganz gute Serien oder irgendwelche Quizsendungen (immernoch besser als das heutige Zeugs). Ich sehne mich inzwischen sogar schon nach dem guten alten Glücksrad zurück.

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