Die Missionierung von „Anti-ADHS“

Nun schon wieder ein Artikel zum Thema ADHS, aber keine Angst, es kommt auch bald wieder was Anderes.

Kürzlich erschien in einem ADHS-Forum ein Gast-User in einem Thread über das Thema „Psychoanalyse bei ADHS“. Die User tauschten gerade ihre eigenen Erfahrungen über Psychotherapien allgemein aus, als dieser Gast behauptete, ADHS gäbe es nicht, die Symptome wären allein durch negative Lebenserfahrungen verursacht. Und deshalb wäre eine Psychotherapie besser geeignet, um (das eigentlich gar nicht vorhandene) ADHS zu behandeln. Er bezweifelte die genetische Disposition bei ADHS. Medikamente seien allenfalls als Übergangslösung zur Psychotherapie angebracht. Und außerdem habe man jüngst nachgewiesen, dass Psychotherapie genauso gut wie Medikamente Veränderungen im Gehirn verursacht, allerdings auch noch dauerhaft!  Man muss dabei noch wissen, er ist Psychoanalytiker. Sein Fazit lautete:

Nur Psychotherapie kann bleibend helfen. Tabletten helfen nur, solange sie wirken. Von daher machen Tabletten zumindest psychosozial abhängig, eine gelungene Psychotherapie keineswegs.

Auch hier auf dem Blog gab es kürzlich eine ähnliche Debatte.

Diese Grundsatzdiskussion kommt im Privaten wie auch in einigen Medien sehr häufig vor. Es gibt immer wieder Personen, die die Tatsache ADHS und deren Medikation scharf kritisieren. Ich frage mich dann immer wieder: Wieso?

Die Anzahl der ADHS-Diagnosen stieg in den letzten Jahren an. Bei den Erwachsenen liegt es wohl hauptsächlich daran, dass man bis vor einigen Jahren glaubte, ADHS verliere sich während des Heranwachsens, und es deshalb einfach nicht bei Erwachsenen diagnostizierte. Heute ist man schlauer und so nähert sich die Zahl der Diagnosen bei Erwachsenen allmählich der tatsächlichen Häufigkeit an. Bei Kindern bin ich mir nicht ganz sicher, wie die aktuelle Entwicklung ist.

Nun, die Tatsache, dass ADHS immer öfter diagnostiziert wird, zeigt, dass es eine Symptomatik zu geben scheint, die durch die typischen Symptome (Konzentrationsstörungen, Hyperaktivität, Impulsivität, Desorganisation, Stressintoleranz etc.) gekennzeichnet ist. OK, nun könnte man behaupten, dass das z. B. Folgen von Überforderung sind (Burnout), vielleicht getriggert durch den hohen Leistungsdruck in unserer Gesellschaft. Aber so leicht machen es sich die Fachärzte ja nicht mit der Diagnose. Die Diagnostik von ADHS dauert häufig mehrere Stunden und beinhaltet eine genaue Erhebung von Komorbiditäten (Begleiterkrankungen) und den Ausschluss anderer Diagnosen. Auch wenn diese Diagnostik nicht einfach ist, ADHS als ein eigenes Störungsbild gibt es mit Sicherheit. Ein wesentliches Merkmal ist die Persistenz seit der Kindheit¹. Somit wird der Burnout schon unwahrscheinlich.

Warum also gibt es immer wieder Menschen, die gegen ADHS vorgehen wollen, seine Existenz infrage stellen und alle Welt mit dieser Überzeugung „missionieren“ wollen?

Und was haben sie gegen Medikamente, die dem größten Teil der Betroffenen das Leben erheblich erleichtern?

Ich muss sagen, vernünftige Gründe dafür fallen mir nicht ein. Das Einzige, was ich mir vorstellen kann, ist, dass es vorwiegend Psychotherapeuten sind, die finanzielle Einbußen befürchten, weil einige ihrer Patienten irgendwann keine Psychotherapie mehr benötigen. Aber soll es das wirklich sein?

Was sagt Ihr dazu? Ich bin gespannt.

Anmerkung: Sehr empfehlenswert ist auch dieser Artikel von Dr. Winkler, den ich soeben entdeckt habe. Die Tatsache, dass Freud selbst (als Begründer der klassischen Psychoanalyse) zur Erkenntnis gelangte, dass bei bestimmten Personen statt Konflikten eine biologische Veränderung ursächlich ist, spricht Bände.

[¹] Auch dabei scheint es vereinzelte Ausnahmen zu geben, die aber anscheinend sehr selten sind und deshalb bei dieser Betrachtung vernachlässigt werden können.

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21 Gedanken zu “Die Missionierung von „Anti-ADHS“

  1. Ich hoffe, daß sich ein wissenschaftliches Bild des Menschen über kurz oder lang durchsetzen wird. Dann wird auch dem letzten klarwerden, daß nicht nur die Haar- und Augenfarbe, Körpergröße, Geschlecht und Hautfarbe „angeboren“ sind sondern auch große (vielleicht nicht alle) Anteile von Verhalten, Intelligenz und Persönlichkeit. Und eben auch ADHS…

  2. Das die Anzahl der diagnostizierten Erwachsenen steigt, hängt wohl mit der steigenden Zahl diagnostizierter Kinder zusammen. Viele Eltern kommen durch die Diagnose der Kinder zur eigenen! Ich weiß ja, wies ist. Das sind regelrechte Dejavues, wenn man sein Kind beobachtet. Und der Gedanke, dass er bei manchen Situationen genauso empfinden könnte wie ich es einst tat, hat mich auch gequält. Man spürt und weiß immer, das man *irgendwie* anders ist, aber wieso und weshalb weiß man nicht. Ich bin froh durch die Möglichkeiten, die uns heute zur Verfügung stehen, meinem Kind helfen zu können und ihm dadurch das ein oder andere ersparen zu können.

    Der Vorteil, wenn man selbst auch betroffen ist, man kennt die Binnensichten des Kindes und kann dadurch adäquat reagieren. Es hat also auch sein positives.

    Ich bin guter Dinge, dass sich neurobiologische Ursache und die Genetik durchsetzen werden. Das ein Psychoanalytiker anderer Meinung ist wundert mich nicht wirklich, der arbeitet (finanziell) ja in die eigene Tasche.

  3. Das die Anzahl der diagnostizierten Erwachsenen steigt, hängt wohl mit der steigenden Zahl diagnostizierter Kinder zusammen.

    Hm, es ist aber auch bis vor ein paar Jahren so gewesen, dass Ärzte einfach dachten, ADHS ist eine Krankheit von Kindern. Bei Erwachsenen mit dieser Symptomatik haben die meisten nicht an ein ADHS gedacht. Das kam in ihrer Liste möglicher Differentialdiagnosen gar nicht vor. Es wurden stattdessen Persönlichkeitsstörungen, (agitierte) Depression u. a. diagnostiziert. Wahrscheinlich haben sich trotzdem viele Eltern in ihren Kindern teilweise wiedererkannt. Aber man glaubt dem Arzt ja, was er sagt.

    Und ich glaube in den 90ern wurde es auch als Erwachsenen-Syndrom bekannt. Und ist so auch nach Dtl. übergeschwappt. Dazu hat, soweit ich das weiß, das Krause-Ehepaar aus München stark beigetragen.

    Ich bin guter Dinge, dass sich neurobiologische Ursache und die Genetik durchsetzen werden.

    Ich glaube das auch, zumindest als Hauptursache, die dann durch die Umwelt moduliert werden kann. Die bildgebenden Verfahren werden immer besser, die molekularen Zusammenhänge werden auch immer besser verstanden. Und irgendwann gibt es vielleicht sogar eine Untersuchungstechnik, mit der man ADHS diagnostizieren kann (vielleicht PET oder fMRT).

    Das ein Psychoanalytiker anderer Meinung ist wundert mich nicht wirklich, der arbeitet (finanziell) ja in die eigene Tasche.

    Ja, aber sollte nicht das Patientenwohl im Vordergrund stehen? Außerdem gibt es ja noch Komorbiditäten, bei denen eine Psychotherapie was bringen kann. Und da die Diagnose ADHS eigentlich ja ein einschneidendes Erlebnis und ein markanter Wendepunkt im Leben eines Menschen ist, kann man diesen ja auch mittels Psychotherapie verarbeiten. Ich glaube nicht, dass die Psychotherapeuten da große Angst haben müssten.
    Naja, vielleicht sagt Ihr jetzt, ich bin ein idealistisch-naiver Träumer.

  4. Dass Psychoanalyse bei ADHS als einer überwiegend genetisch bedingten angeborenen Störung nicht sinnvoll ist, glaube ich auch. Aber soweit ich weiß, kann nur ein Psychotherapeut eine Psychoanalyse betreiben. Oder gibt es wirklich reine Psychoanalytiker, die nichts anderes machen?

    Mit „sie müssen keine Angst haben“ meinte ich, dass eine Psychotherapie (auch ohne Psychoanalyse) bei ADHSlern angebracht oder hilfreich sein kann. Deshalb müssen Psychotherapeuten mE keine finanziellen Einbußen fürchten.

  5. Ach ja, danke für den Link, da hab ich ja erst mal ganz schön zu lesen (strengt mich z. Z. bissl an, aber das geht schon).

    Zum Thema Psychoanalyse: Mir erschien das schon immer suspekt. Es mag in einigen Bereichen Sinn machen. Aber weit nicht in allen. Und es ist auch weit nicht alles richtig (meine eigene Meinung), was die klassische Psychoanalyse oder Freud sagen. Bsp. „Der Traum ist die Via Regia“ (Königsweg) zum Unbewussten“. Das trifft mE nicht auf jeden Traum zu. Denn oftmals dient ein Traum zum Verarbeiten des vergangenen Tages. Dass ein Mensch mit PTBS ständig von seinem Trauma träumt (z. B. Soldaten nach ihrer Rückkehr aus dem Kriegsgebiet), bestreite ich gar nicht. Da besteht deutlich der psychoanalytische Aspekt. Aber ich denke, man sollte das nicht so schnell verallgemeinern.

  6. Ich lehne die Psychoanalyse im Ganzen ab. Eine Verhaltenstherapie finde ich sinnvoller. Auch gibt es mittlerweile wirklich sinnvolle Methoden ein Trauma zu verarbeiten, wie zum Beispiel EMDR, das Erlebte und abgespaltene muss integriert werden, damit es seinen Schrecken verliert. Dies sollte aber von jemandem gemacht werden, der Erfahrung darin aufweisen kann, sonst ist der Schaden der angerichtet wird unter Umständen groß! Oder es findet gar eine Retraumatisierung statt.

    Das hört sich so geschrieben, übrigens einfach an, aber leider ist das nicht für jeden schaffbar. Die Konfrontation mit dem Erlebten ist die Hölle. Nur ohne geht es leider nicht.

  7. …sinnvolle Methoden ein Trauma zu verarbeiten, wie zum Beispiel EMDR, das Erlebte und abgespaltene muss integriert werden, damit es seinen Schrecken verliert.

    Funktioniert das denn auch mit EMDR? Das kenne ich nicht, was ist das?

    Ich lehne die Psychoanalyse im Ganzen ab.

    Hm, ich glaube, hier muss man unterscheiden zwischen den theoretischen Modellen, die mit der Psychoanalyse aufgestellt wurden und der Psychoanalyse als Therapieform.
    Die Modelle kann ich teilweise nachvollziehen, z. B. glaube ich schon, dass es die drei Instanzen Ich, Es (das „Triebhafte“) und Über-Ich (Gewissen) gibt. Ich denke auch, dass es das Unbewusste gibt.
    Zur Psychoanalyse als Therapie kann ich nichts sagen, da weiß ich einfach nicht, ob und bei welchen Störungen sie sich bewährt hat. Bei Traumata, die soweit verdrängt wurden, dass sie nicht mal mehr erinnert werden, könnte ich mir eine Wirksamkeit vorstellen. Aber keine Ahnung, ob sowas schon mal untersucht wurde.

  8. Was Traumen betrifft, die soweit abgespalten wurden, dass gar nicht mehr oder nur unvollständig erinnert werden. Da muss man sagen, dass ist erstens ein Schutzmechanismuss, der selten ein ganzes Leben lang hält und zum zweiten, ist es wohl ganz gut, wenn mann nicht alles erinnert. Es gibt Dinge die muss man nicht wissen.

    Zum rest vielleicht später mehr

  9. Mal wieder zurück zum Thema:
    Also ich denke, die Anti-ADHS Missionierung kommt auch von Menschen, die allgemein es nicht mögen, irgendwas als Krank zu definieren, die sagen, das ist nicht krank, sondern nur anders und anders ist gut und soll nicht mit Medikamenten gleich gemacht werden.

    Diese Menschen bedenken dann oft nicht, dass Menschen auch daran leiden können, dass sie so anders sind…

    Grüße,
    Anton

  10. Ja, das kann gut sein. Es ist ja auch manchmal schwierig, ohne spezielle Diagnostik zu erkennen, was ist schon ADHS und was gerade noch ein Extrem des Normalbereiches. Und wer sich nicht genau auskennt, der denkt vielleicht: Das hat doch jeder mal. Das Leiden wird dabei oft vergessen, wie Du schon sagst. Dabei kann man heute relativ gut helfen.

    Interessant finde ich, dass viele ADHSler selbst nicht möchten, dass ADHS als Krankheit bezeichnet wird, obwohl sie die Diagnose vom Arzt bekommen und Medis einnehmen. Krankheit wird mit etwas Negativem verbunden, aber auch ein Hautausschlag ist gewissermaßen etwas Krankes, obwohl man nicht gleich was dagegen machen muss. Deshalb finde ich es nicht schlimm ADHS als Krankheit zu bezeichnen.

  11. Hi tigger,

    ich denke, Du hast Deine Fragen selbst beantwortet, indem Du feststellst, daß viele Menschen mit ADHS sich nicht als „krank“ bezeichnen … und gewissermaßen gebe ich ihnen sogar recht. Denn ADHS ist letztendlich eine „Störung“, die „krank“ empfunden werden kann, aber eben auch im Gegenteil – und sie ist sehr häufig und unterschiedlich.

    Schlimm ist, wenn trotz hohem Leidensdruck, durch den ein ADHS zur Krankheit werden kann, eine solche Definition abgelehnt wird. Das hängt aber m.E. damit zusammen, daß viele ältere Menschen sich sozialisationsbedingt eine solche „Krankheit“ nicht erlauben. Deshalb verleugnen sie und verleugnen auch wenn es Nachkommen getroffen hat. Und diese übernehmen solche Muster nur zu gerne.

    Ich habe schon viele Menschen mit AD(H)S getroffen, und gerade diejenigen, die nun wirklich offensichtlich damit herumlaufen, sind ganz oft diejenigen, die es am meisten ablehnen, eine solche Diagnose für sich in Betracht zu ziehen. Das ist interessant auf der einen Seiten, auf der anderen geht es einem ganz schön auf die Nerven … 😉

  12. … ansonsten gebe ich @elphaba vollkommen recht: Die Psychotherapeuten achten schon ganz perfektioniert darauf, daß ihnen ja kein Kunde abhanden kommt …

    LG sunny

  13. Dass es ADHSler gibt, die ihr eigenes ADHS (oder das ihrer Kinder) verleugnen, habe ich auch schon festgestellt. Ich nehme an, sie haben Angst vor Stigmatisierung als „psychisch krank“, wenn man bei ihnen eine Diagnose stellt.

    Die Leute, die so vehement und mit enormer Dreistigkeit gegen die Existenz von ADHS vorgehen, tun das aber aus irgendeiner anderen Motivation heraus, denke ich. Sie sind ziemlich hartnäckig und verdrehen regelrecht die Tatsachen. Meist picken sie sich Einzelheiten heraus, welche sie dann in einem ihnen genehmen neuen Licht erscheinen lassen wollen. Es ist die regelrechte Missionierung eines Irrglaubens. Faszinierend, wie wortgewandt sie einem den größten Stuss verkaufen wollen.

    Selbst wenn sie der Überzeugung sind, Psychotherapie würde dauerhaft gegen ADHS selbst (und nicht nur gegen seine Folgen) helfen, dann gibt es trotzdem keinen vernünftigen Grund, gegen Methylphenidat zu missionieren. Es ist immerhin sehr hilfreich für die meisten und quasi sofort wirksam (im Gegensatz zur Psychotherapie).

    Ihre Anti-ADHS-Hetze ist in meinen Augen sehr gefährlich (vor allem für verunsicherte Eltern), weil sie uns wieder zurück ins Mittelalter versetzen will. Grausam!

  14. ja.. sind auch die scientologen nicht weit. die waren ja schon immer die vorreiter im anti-ritalin-kampagnieren.. soll natürlich nicht heißen, dass alle, die ADHS für vergammelten Blumenkohl halten, auch bei Scientology sind, allerdings verlieren die ja auch ihre „Kundschaft“.

  15. > […] allerdings verlieren die ja auch ihre “Kundschaft”.<
    Hoffentlich bleibt das auch so. Glücklicherweise gibt es ab und zu mal eine Sendung im TV, die über die Methoden dieser Leute berichtet. Dennoch ist Aufklärung wichtig. Sie verwenden sinnlose Geräte, die angeblich bestimmte Körperfunktionen messen wollen, dabei aber einfach nur Attrappe sind. Dabei suchen sie vor allem nach verunsicherten Menschen und stellen sich gleichzeitig als diejenigen dar, welche die Lösung anbieten. Verunsicherung scheint ein beliebtes Mittel zu sein.

  16. Ich denke, dass etliche Anti-ADHS-Missionare in ihrem direkten Umfeld niemanden ADHS-Symptomatischen haben und somit das ganze Ausmaß nicht begreifen…
    Andernteils besteht die Gefahr schon, dass manchen vorschnell ADHS angedichtet wird.
    Ok, in og. Fall wird die biol Disposition generell angezweifelt, und nicht nur in Einzelfällen verworfen. Das ist nat. extrem und einseitig. Offensichtlich sidn die Analytiker und Therapeuten sehr geteilter Meinung und auch sehr verschiedener Kenntnis über die Materie…

  17. Ich würde nicht bestreiten, dass es AD(H)S gibt, aber ich bestreite auch, dass eine Pille das einzig wahre Mittel ist. Natürlich muss man eine Schaden – Nutzen Bilanz auftsellen, wenn man Kindern ein Medikament gibt, dass unter das betäubungsmittelgesetz fällt und unter Studenten schwarz gehandelt wird, weil es die Konzentration erhöht. Unter diesem Aspekt allein bezweifle ich, dass es, wie viele behaupten, angeblich wirkungslos, oder gar harmlos bei Menschen ohne AD(H)S sein soll.

    Die Psychotherapeuten müssen bestimmt keine Angst haben, dass sie kein patienten mehr haben. Die finanziellen Einbußen hat aber durchaus eine Pharmaindustrie, die durch die hohe Anzahl an Diagnosen einen Markt für sich entdeckt. hat. Darum sollten die Quellen von „Pro-Ritalin“ Experten auch mal genauer durchletuchtet werden…

    @Martina: ich habe in meinem Umfeld lauter AD(H)S-Kinder. Manchmal befürchte ich, es gibt überhaupt keine normalen Kinder mehr. ich bin ehrlich: bei einem Fall von ADS glaube ich nicht an die Krankheit, das Kind wurde durch eine überfürsorgliche, ängstliche Mutter die ständig das Kind begluckte und eigentlich nur Verbote und Massregelungen aussprach, zu einem Außenseiter. ja, er wurde auffällig. Und natürlich war es ADS. Solange, bis sie einen Arzt fand, der es endlich ebstätigte!

    Ein Mädchen von 8 Jahren zeigte schon immer Impulsivität, Temperament und eine gewisse Unruhe. Doch das schien eben zu ihrem Charakter zu gehören. Die Noten waren mehr als gut, sie hatte Freunde und galt eben als lebhaft und fröhlich. Als die Eltern sich trennten und die Mutter – selbständig – kaum noch Zeit für ihre Tochter aufbringen konnte und sie daher mal hier, mal dort versuchte unterzubringen, auch keine häuslichen Rituale (gemeinsame Mahlzeiten) einhalten konnte, das Kind spät zu bett ging, seit dem werden die Symptome erheblich schlimmer. So schlimm, dass es zum Aussenseiter wird und Kinder sie nicht mehr mit spielen lassen wollen. Hier liegt die Diagnose ADHS vor, die Schulöe verlangt eine medikation, der Vater auch, die Mutter möchte eine Chance erhalten, ihr Leben wieder in den griff zu bekommen, OHNE Ritalin & Co. ich finde, die hat sie verdient! trotzdem leidet derzeit das Kind enorm und ich würde eine Medikation befürworten. Was vorher geklappt hat im leben, sollte auch wieder herstellbar sein.

    Eine Mutter hält ihr Kind für besonders intelligent, läuft mit ihm zu einem IQ-test als er 6 Jahre alt ist. Sie bekommt „nur“ eine überdurchschnittliche Intelligenz bescheinigt und nur für den Augenblick, keine Hochbegabung. Sie übt mit dem Kind seit dem Kindergarten Mathe, Englisch und Lesen und Schreiben. Als der Junge in der 3. Klasse zwar gute, aber keine sehr guten Noten schreibt, glaubt sie, dass er ein Problem hat. Sie „erkämpft“ sich die von ihr auserkorene Diagnose und erhält sie irgendwann.
    ich unterstelle hier keine Bösartigkeit, ich denke so etwas geschieht unbewusst. Aber bis heute nimmt der Junge Medikamente und seine Noten haben sich nicht deutlich verbessert. Dafür ist er im Sport abgesackt, aber ist da wichtig, denkt sich die Mutter? ich sage: Vielleicht ist der Sport für den Jungen wichtig! Aber wer fragt die Kinder?

    Etwas ab von AD(H)S: In meinem näheren Umfeld habe ich auch einen Jungen mit Asperger Syndrom. Die Mutter (Sozialpädagogin) kämpfte jahrelang um eine Diagnose. Sie kam zu spät für das Kind. Heute ist der Junge 11, gilt bereits als nicht beschulbar und lebt in einem besonderen Internat für Störungen dieser Art. Aber endlich versteht man ihn, geht auf ihn zu, endlich zeigt er, dass er auch glücklich sein kann. Die Mutter trauert etwas und macht sich Vorwürfe – sie musste ihr Kind hergeben, damit es ihm besser geht? Erschüttert hatte mich ein Satz, als der Junge etwa 4-5 war:“ Mama, ich möchte lieber in einer anderen Welt leben, nicht in dieser…“ Niemand hat ihn verstanden, niemand hat ihm geholfen!

  18. Hallo Silvia,

    ich weiß nicht, ob die Diagnose AD(H)S zu häufig gestellt wird. Zumindest sind Fehldiagnosen möglich. Ein guter Arzt behandelt erst, wenn die Diagnose gesichert ist. Dazu gibt es eine Reihe validierter Tests, die im Gesamtbild die Diagnose bestätigen oder eben widerlegen. Zweifelsohne sind manchmal die Übergänge fließend und es erweist sich nicht immer leicht, eine Grenze zu ziehen, ab der man sagen kann: Hier ist eine medikamentöse Behandlung sinnvoll. Auch muss nicht jedes Kind mit ADHS zwangsläufig medikamentös behandelt werden. Schade ist nur, dass v. a. im deutschsprachigen Raum diese Negativkampanien existieren, die es den (wirklich) betroffenen Kindern und Erwachsenen erschwert, adäquat behandelt zu werden.

  19. Ja klar darfst Du das. Schön, dass noch anderere Leute was dazu schreiben.
    Ja, ich komme kaum noch dazu, neue Artikel zu schreiben. Trotzdem wollte ich die geschriebenen Artikel nicht rausnehmen und schaue auch öfters mal vorbei, was sich hier so tut.
    LG

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