Epigenetik – die neue Dimension eines alten „Kampfes“?

Angeregt durch sunny’s letzten Artikel möchte ich mich heute dem Thema Epigenetik widmen. Die Epigenetik ist ein junges wissenschaftliches Fach, und dennoch schon sehr umstritten. Das liegt daran, dass in ihr ein gewisses Konfliktpotential liegt, da ihre Erkenntisse möglicherweise ein Umdenken in Naturwissenschaften bedeuten könnten. Nicht zuletzt wird sie von einigen Wissenschaftlern quasi als „Totschlagargument“ genutzt, um nur wenig bis gar nicht überprüfbare Theorien zu begründen. Allen voran Psychoanalytiker, und hier vor allem auch ADHS-Gegner. Ich möchte hier einmal darstellen, warum die Bedeutung der Epigenetik – zumindest hinsichtlich psychischer Störungen – in meinen Augen überschätzt wird. Dass zu diesem Thema einiges gesagt werden muss, halte ich für dringend nötig. Typische Behauptung einiger Psychoanalytiker: Psychische Erkrankungen (wie eben auch ADHS) seien nur die Folge (vererbter) Traumata.

Zunächst einmal: Was bedeutet Epigenetik überhaupt? Hier möchte ich den Wikipedia-Artikel zitieren:

Die Epigenetik beschäftigt sich mit der epigenetischen Vererbung, d. h. der Weitergabe von Eigenschaften auf die Nachkommen-Organismen oder Nachkommen-Zellen, die nicht auf Abweichungen in der DNA-Sequenz zurück gehen, sondern auf eine vererbbare Änderung der Genregulation und Genexpression.

In der Epigenetik werden die molekularen Mechanismen erforscht, welche regeln, ob ein Gen gerade „angeschaltet“ oder „ausgeschaltet“ ist. Das heißt, ob ein Gen abgelesen wird, und zur Bildung von Eiweißen führt, die in der Zelle vorhanden sind, oder nicht. Jede Körperzelle eines Menschen besitzt dasselbe Erbgut. Da es aber unterschiedliche Zelltypen (z. B. Hautzelle, Muskelzelle, Nervenzelle etc.) gibt, werden immer nur bestimmte DNA-Abschnitte für die Funktion der Zelle benötigt, während die anderen ruhen. Der epigenetische Apparat regelt, wann welches Gen aktiv wird³.

„Nutznießer“ der Epigenetik behaupten, dass über diese Mechanismen ein Einfluss der Umwelt auf die Gene stattfindet und so das Erbgut verändert wird. Nach dem Motto: Die Giraffe hat einen langen Hals, damit sie  besser an die Blätter von Bäumen kommen kann. So eine Aussage entspräche der Lamarckschen Theorie über die Evolution. Sie steht konträr zur Darwinschen Evolutionstheorie, nach der sich – um bei diesem Beispiel zu bleiben – der lange Hals von Giraffen durch Mutation und natürliche Auslese entwickelte, weil Giraffen mit längeren Hälsen bessere Chancen hatten als ihre Artgenossen, an Nahrung zu gelangen, und sich damit ihre Überlebenschancen erhöhten, so dass sie ihre Gene häufiger verbreiten konnten.

Tatsächlich wurde nachgewiesen, dass z. B. die Kinder von Müttern, welche in der Schwangerschaft eine Hungerperiode erlebten mussten, kleinere Kinder bekamen als normal, und auch deren Kinder wieder kleiner waren¹. Nun stellt sich die Frage: Ist dies eine Veränderung des Erbgutes? Das kommt darauf an, was man unter dem Begriff Erbgut versteht. Wenn er den epigenetischen Apparat mit einschließt, dann könnte man sagen ja. Wenn man darunter nur die DNA, also den genetischen Code, versteht, dann müsste man sagen nein. Denn was sich ändert, ist nur der epigenetische Apparat, also die Information, dass wachstumsförderliche Gene weniger aktiv werden. Diese Information scheint in manchen Fällen mit vererbt zu werden. Das stellt allerdings keine Veränderung des genetischen Codes, also der DNA, dar. Es werden nur schon vorhandene Gene an- bzw. abgeschaltet und dieser Status (Gen ist an bzw. Gen ist aus) mit vererbt! Evolutionär gesehen konnte das durchaus in unserem Beispiel einen Vorteil gebracht haben (geringerer Nahrungsbedarf kleinerer Menschen in einem Gebiet/einer Zeit mit geringen Nahrungsmittelreserven).

Nun wird jedoch oftmals behauptet, auf genau die gleiche Weise könnten psychische Traumata das Erbgut verändern und somit das Trauma mit seinen negativen Folgen auf die nachfolgende Generation vererbt werden. Das Kind einer Mutter (bzw. eines Vaters), die in ihrem Leben ein psychisches Trauma erlebt hat (z. B. in Kriegszeiten), würde demnach an den Folgen des Traumas der Mutter leiden. Psychische Erkrankungen (wie ADHS) werden dann gerne auf eine in früheren Generationen erworbene Traumaerfahrung zurückgeführt. Diese Theorie hat allerdings logische Fehler, wie ich im Folgenden darstellen werde.

Zum einen müsste die Information einer psychischen Traumatisierung vom Gehirn der traumatisierten Person zunächst in die Keimzellen (Ei- oder Samenzellen) gelangen, denn das Kind bekommt nur über diese das Erbgut der Eltern. Eine solche Übertragung einer Information ist aber nur schwer vorstellbar. Sie könnte nur auf dem hormonellen Wege erfolgen, da es keine Nervenverbindungen zwischen Gehirn und Keimzellen gibt. Für so einen Mechanismus wurde noch kein eigenes Hormon entdeckt. Denkbar wäre allenfalls das Stresshormon Cortisol. Dieses könnte aber – wenn überhaupt – nur eine unspezifische Veränderung in Keimzellen hervorrufen, da es dem Körper die Information übermittelt, dass eine Stresssituation vorliegt, nicht  aber um welche Art von Stress es sich handelt. Eine Veranlagung zu einer spezifischen Symptomatik im Sinne einer Traumareaktion ließe sich aber hormonell nicht machen. Warum ein Kind gerade ADHS bekommt, während sich das andere nur immer „heimatlos fühlt“², wäre dadurch nicht erklärbar. Jede Spezifität eines Traumas ginge verloren. Und somit könnte es wiederum Stress jeglicher Art gewesen sein, der eine solche Reaktion hervorgerufen hat. Das psychische Trauma müsste also nicht mal der Auslöser sein. Zudem lässt sich hier auch nachvollziehen, dass selbst epigenetische Veränderungen im Gehirn (die es ja durchaus geben kann) kein Beweis für eine Vererbung dieser auf die Nachfolgegeneration sind.

Außerdem muss man sich überlegen, dass ein solcher Regulationsmechanismus einen evolutionären Vorteil dargestellt haben müsste, ansonsten hätte er sich nicht entwickelt. Ein evolutionärer Vorteil psychischer Erkrankungen erscheint jedoch ebenfalls zweifelhaft.

Bei Samenzellen kommt hinzu, dass sie durch die sog. Blut-Hoden-Schranke vom Blutkreislauf isoliert sind. Sie werden nur durch „Ammenzellen“ ernährt, die kontrollieren, welche Substanzen zu ihnen überhaupt vordringen. Hormone dürften die Samenzellen eigentlich gar nicht erreichen.

Die rund 500 Eizellen einer Frau haben auch eine Besonderheit. Sie werden schon vor der Geburt angelegt und verharren in ein und demselben Zustand, bis sie mit dem Eisprung in die Gebärmutter wandern. Die Traumatisierung müsste also das Erbgut der Mutter nachträglich verändern, da sie ja schon voll entwickelt sind. Auf DNA-Ebene ist das nicht möglich. Eine epigenetische nachträgliche Veränderung erscheint aus den oben genannten Gründen eher abwegig.

Meine Betrachtung ist natürlich nicht in Stein gemeißelt. Niemand kann wissen, was in Zukunft noch entdeckt wird. Aber vor dem Hintergrund gewisser biologischer Kenntnisse erscheint eine Trauma-Vererbung äußerst zweifelhaft. Es muss ja schließlich alles irgendwo zusammenpassen. Besonders der fehlende evolutionäre Vorteil, der eine Selektion von Individuen hervorgerufen haben müsste, welche eine Trauma-Vererbung „eingebaut“ haben, ist aus meiner Sicht nicht zu erkennen.

Es scheint, als ginge der fast schon vergessene „Kampf“ zwischen Lamarckismus und Darwinismus mit der Epigenetik in eine neue Runde, in welcher gewisse Ideologien eine Rolle zu spielen scheinen.

[1] … Einen Beweis für diese Aussage konnte ich im Internet nicht finden, wäre aber prinzipiell wünschenswert. Diese Information habe ich aus einer TV-Sendung. Ein entsprechender Link kann gerne im Kommentarteil gepostet werden.

[2] … Wie in diesem Artikel zu lesen ist

[3] … Übrigens gar keine so neue Erkenntnis. Es ist schon lange bekannt, dass die Gene durch einen Regulationsapparat gesteuert werden. In letzter Zeit wurden nur weitere Mechanismen entdeckt bzw. einige Zusammenhänge aufgedeckt.

23 Gedanken zu “Epigenetik – die neue Dimension eines alten „Kampfes“?

  1. Mir scheint, als ginge es den „Nutzniessern“ der Epigenetik um die Wiedereinführung irgendeiner esoterischen „Intelligenz“ in die Evolution. Wenn man davon ausgeht, daß die Schwere eines Traumas nicht nur aus äußeren schlimmen Einflüssen besteht, sondern die eigene psychische Bewertung mit eine Rolle spielt, ist klar, woher der Wind weht (im Umkehrschluß): man kann mit seinem „Geist“ den Code der Nachkommen beeinflussen. Unfug, Crap, dummes Zeug!

    Danke für den sehr lesenswerten Artikel!

  2. Der Titel dieses Artikels scheint für etwas Verwunderung zu sorgen. Zitat von sunny auf ihrem Blog:

    >>Zum Untertitel: “alter Kampf” – was ist das? Genau davon würde ich gerne mal wegkommen im Rahmen solcher Diskussionen. <<

    Deshalb möchte ich kurz erklären, wie der Titel zustande kommt.

    Mit diesem alten Kampf ist der Kampf zwischen Lamarckismus und Darwinismus gemeint.

    >>Lamarckismus ist die Theorie, dass Organismen Eigenschaften an ihre Nachkommen vererben können, die sie während ihres Lebens erworben haben.<<

    >>Als Darwinismus bezeichnet man die biologische Evolutionstheorie von Charles Darwin, wobei manche mit dieser Bezeichnung eine besondere Betonung auf Evolution durch natürliche Auslese legen.<<

    (beides Wikipedia-Zitate)

    Beide Theorien stehen sich gewissermaßen konträr gegenüber und ihre jeweiligen Vertreter führten einen „Kampf“.

    >>Während das Konzept der Vererbung erworbener Eigenschaften zunächst nicht umstritten war und sich sogar in Darwins ursprünglicher Evolutionstheorie wiederfand, entbrannte erst mit Weismanns Weiterentwicklung von Darwins Theorie eine Debatte zwischen Neodarwinisten und Neolamarckisten. Dieser Streit wurde nicht allein auf wissenschaftlicher, sondern auch auf gesellschaftspolitischer Ebene bis zur Mitte des 20. Jahrhundert ausgefochten.<<

    (wieder Wikipedia)

    „Alter Kampf“ deshalb, weil es heute nur noch wenige Vertreter des Lamarckismus gibt und er von der Mehrheit der Wissenschaftler als überholt angesehen wird, so dass dieser Kampf sich dadurch so gut wie erledigt hat.

    Stellvertretend könnte man auch sagen, hinsichtlich des Einflusses auf die Evolution existiert ein Kampf zwischen Umwelt und Genen. Während die einen glauben, die Umwelt beeinflusst die Gene (nicht nur ihre Regulation, sondern auch die Gene selbst), glauben die anderen, an Darwins Theorie von Mutation und Selektion.

    Allerdings gibt es anscheinend auch heute noch Verfechter des Lamarckismus.

    >>Dennoch hatte die Idee der Vererbung erworbener Charakteristika stets Anhänger, und auch heute gibt es noch Wissenschaftler, die in modernen Forschungsgebieten wie der Epigenetik Hinweise auf lamarckistische Vererbungsmechanismen sehen.<<

    (ebenfalls Wikipedia)

    Die Regulation der Aktivität von Genen durch gewisse Umwelteinflüsse wird von mir nicht bestritten. Und ich finde es gut, dass auf diesem Gebiet geforscht wird. Aber die gezielte Entstehung von neuen sinnvollen/nützlichen/zweckmäßigen Genen durch Umwelteinflüsse halte ich für Unsinn. Bis jetzt gibt es auch keine Beweise dafür.

    Die Epigenetik wird manchmal gern als Beweis oder Hinweis für diese Theorie angesehen, wobei auch die Epigenetik sie noch nicht beweist. Aus einem Umwelteinfluss auf die Genregulation wird so schnell die Vererbung von durch die Umwelt hervorgerufenen Gene gemacht. Wie gesagt: Gene selbst verändert der epigenetische Apparat nicht. Und andere Umwelteinflüsse wie radioaktive Strahlen o. ä. verändern die Gene zwar, aber nicht zielorientiert und damit nicht im Sinne einer evolutionären Entwicklung (bei Strahlen entsteht z. B. meistens Krebs)!

    Im konkreten Fall von ADHS bzw. ADHS-Leugnern wird gern die genetische Ursache von ADHS verleugnet und ADHS durch frühkindliche Traumata erklärt. Wenn man dann das Gegenargument bringt, dass ADHS familiär gehäuft auftritt, muss die Epigenetik als „Beweis“ für eine generationsübergreifende Trauma-Vererbung herhalten. So habe ich es zumindest schon erlebt.

    Insofern habe ich den (vielleicht etwas provokanten) Vergleich mit dem alten Kampf der Evolutionstheorien gezogen, weil es mir vorkommt, als wollen solche Menschen ihn aus ideologischen Gründen wieder aufrollen. Warum deren Argumentation nicht schlüssig ist, habe ich hier versucht zu erklären.

    🙂

  3. Ich sehe nicht, daß der Lamarckismus als überholt angesehen wird http://www.heise.de/tr/Die-Rueckkehr-des-Lamarckismus–/artikel/132680
    Ich sehe, daß die Epigenetik ihre Möglichkeiten nicht voll ausschöpft, diese Diskussion verzögert sich leider seit Jahren, daß hat aber ethische Gründe. http://www.faz.net/s/Rub268AB64801534CF288DF93BB89F2D797/Doc~E7343F8AEBE3A4569A8F7A5292444B6B7~ATpl~Ecommon~Scontent.html

    Wenn bei ADHS und Tourette Veränderungen an Chromosomen-Allelen gefunden wurden, wie der Humangenetiker Stuhrmann-Spangenberg berichtete auf dem Kongress in Hannover, ist natürlich der Beweis einer Genveränderung noch nicht gegeben. Wie aber sieht es mit den Erbinformationen aus und welche Auswirkungen haben diese Allel-Veränderungen auf ganze Schaltkreise?

  4. Ich habe die Links noch nicht gelesen, bin noch nicht dazu gekommen. Deshalb erstmal nur eine kurze Antwort.

    Bei den Menschen, die behaupten, die Epigenetik sei der Beweis oder zumindest ein Indiz dafür, dass es den Lamarckismus gibt, habe ich immer den Eindruck, sie differenzieren nicht zwischen Epigenetik und Genetik. Die Epigenetik verändert keine Gene! Sie bestimmt nur, ob ein Gen aktiv ist oder nicht („angeschaltet“ oder „ausgeschaltet“) bzw. häufig oder selten abgelesen wird. Neue Gene erzeugt sie nicht.

    Das geschieht zwar teilweise durch Umweltfaktoren, aber das bedeutet auch, dass andere Umweltfaktoren einen solchen Vorgang prinzipiell auch wieder rückgängig machen können.

    Wenn also z. B. der Giraffenhals durch die Epigenetik entstanden wäre und diese Information auch noch vererbt werden würde, dann müssten Giraffen abhängig von Umweltfaktoren (etwa dem Nahrungsangebot o. ä.) unterschiedliche Nachkommen haben mit verschieden langen Hälsen.

  5. Hi tigger,

    ich denke wir sind gedanklich nicht weit auseinander. Selbstverständlich muss man zwischen Epigenetik und Genetik differenzieren, wobei das eine und andere sich durch die bio-chemischen Veränderungen bedingt. Prof. Florian Holzboer gibt dazu ganz aktuell Auskunft. Ich habe dazu ganz aktuell einen Artikel auf meinem Blog.

    Gruß sunny

  6. Eine kurze Info:
    Da ich mich z. Z. auf eine Prüfung vorbereiten muss, habe ich wenig Zeit zur Pflege des Blogs. Deshalb schaue ich nur mal ab und zu vorbei und kann mich nicht groß an Diskussionen beteiligen. Ich danke Euch für die Links, die ich wahrscheinlich in absehbarer Zeit oder in einer Pause mal vollständig lesen werde. Natürlich darf auf dem Blog trotzdem munter weiter diskutiert werden!

  7. hi tigger,

    es ist so das in der Epigenetik davon ausgegangen wird, dass die DNA verändert wird. Die häufigsten Veränderungen sind die Methylierungen und Acetylierungen, die Gene deaktivieren oder auch aktivieren können. Demnach ist die Epigenetik keine Esoterik, sondern bewiesenene Vorgänge in unserem Leben. Ich finde auch nicht, dass die Epigenetik Darwins Evolutiontheorie untergräbt, sondern vielmehr unterstützt, da durch die DNA-veränderung wieder die Selektion ansetzen kann.

  8. Ich glaube, Du verwechselst DNA-Veränderung mit Änderung der Erbinformation. Ja klar, die DNA muss ja irgendwie verändert werden, wenn Gene an- oder ausgeschaltet werden. Aber was sich nicht ändert durch den epigenetischen Apparat, ist der genetische Code (der die Erbinformation enthält), also die Reihenfolge der Basenpaare. Denn das wäre Mutation, und die würde sich an Tochterzellen vererben.

    Ich halte die Epigenetik auch nicht für Esoterik, sie ist ja eine Wissenschaft! Nur kann sie nicht alles erklären, was Manche gerne hätten (s. o.).

  9. sorry hab im ersten satz ein „nicht“ vergessen. 🙂 was ich eigentlich sagen wollte ist, dass durch modifikationen von histonen das ablesen der erbinformation beeinflusst wird. das gene aktiviert und deaktiviert werden können war bis vor wenigen jahren noch nicht bekannt. oft wurde diese tatsache auch untergraben, da die klassiche genetik leidet. mit der mutation hast du natürlich recht.

  10. Achso, das ändert natürlich Deine Aussage. Naja, macht ja nix.
    Ich finde es auch ziemlich interessant, was sich die Natur da an Regulationsmechanismen „ausgedacht“ hat. Leider fehlt mir momentan die Zeit, mich damit näher zu beschäftigen.

  11. Ich bin gerade auf diesen interessanten (aber doch schon etwas älteren) Beitrag gestoßen und möchte nur ergänzen, dass inzwischen wohl klar sein dürfte, dass epigenetische Merkmale nicht zur Entwicklung von Lebewesen (über Millionen von Jahren betrachtet) beigetragen haben können, da sich die epigenetischen Merkmale wenn überhaupt, dann nur über sehr wenige Generationen hinweg vererben.
    In einem Versuch gelang es, epigenetische Merkmale bei Fliegen über 5 Generationen zu erhalten, danach verschwanden sie.
    Insofern ist es doch praktisch ausgeschlossen, dass Epigenetik einen Einfluss auf die Evolution hatte, oder?

  12. Der Autor des Aufsatzes hat die quantenmechanischen Zusammenhänge nicht verstanden. Die klassische Physik und die Chemie können natürlich die epigenitischen Zusammenhänge allein nicht erklären.

  13. Nun ist „Zusammenhänge“ ja ein sehr allgemeiner Begriff. Welche dieser Zusammenhänge wurden in meinem Aufsatz denn nicht bedacht? Vielleicht können Sie das noch weiter spezifizieren.

  14. Ich habe mir auch Gedanken dazu gemacht, was könnte sinnvoll an einer psychischen Problematik sein.
    Zunächst möchte ich sagen, und das weiß ich als Ärztin recht genau, dass wir viels wissen und wir vieles zu wissen glauben, immer in der Annahme das es stimmt, was wir entdeckt haben.
    Aber was wissen wir über die Entstehung eines Menschen aus zwei Zellen schon wirklich.
    Was und wie kann eine Eizelle etwas speichern und kann sie es überhaupt? Aber wenn sie es könnte, könnte es dann nicht so ablaufen?

    Ein Trauma passiert und der Mensch gerät in ein Ungleichgewicht. Der Körper reagiert mit allem was nötig ist. Vielleicht mit Muskelspannung, der Magen zieht sich zusammen, Hormone der Angst und Abwehr werden ausgeschüttet, bewegungslose Schuztstarre, Duchblutungssteigerung oder Herzstolpern. Ich denke die Palette ist riesig groß und die Reaktionen können alle Extreme annehmen.
    Der Körper hat eine so große Vielzahl an Möglichkeiten der Anpassung, dass dies hier nicht aufgelistet werden kann. Hormone werden ausgeschüttet, Elektrolytkonzentrationen verschieben sich uvm.
    Nun hat der Körper diese Erfahrung gemacht und weiß jetzt: “mit dieser Taktik habe ich überlebt”. Was wäre also naheliegender, als dass der Körper sich sagt.”das war eine gute Taktik, die merke ich mir und speichere diese gleich ab”. Und da es so gut funktioniert hat, sagt er sich: “das speichere ich so sicher ab, dass ich es an meine Kinder weitervererben kann. Dann können auch meine Kinder solche Situationen überleben”.
    Gesagt, getan, das Trauma bleibt für alle Ewigkeit der Familie erhalten, aber in bester Absicht.
    Wenn Wissenschaftler eine Möglichkeit dieser oder ähnlicher Vererbung für möglich halten, könnten vielleicht Beweise gefunden werden.

    [Anmerkung: Ich nehme an, dass dieser Kommentar in dieses Thema gehören soll. Er war unter „Feedback & Kontakt“ abgespeichert. Der Autor des Blogs]

  15. Also. dass epigenetische Markierungen an der DNA oder den Histon-Proteinen vererbbar ist, ist selbst unter Forschern auf diesem Gebiet umstritten, da nicht einwandfrei belegt. Jedoch gibt es viele Studien, die belegen, dass psychosoziale Einflüsse spezifische Markierungen hinterlassen. Man kann mittlerweile einige Verhaltensmuster spezifischen Methylierungsmustern zuordnen. Die Behauptung, dass Traumata sich auf die Genregulierung ausüben ist bewiesen, da gibts nichts dran zu rütteln. Dass sich daraus ergeben soll, dass es beispielsweise kein ADHS gibt, ist unlogisch. Man hat nur einen Ansatz gefunden, warum bestimmte psychische Erkrankungen auftreten, also was die biochemischen Auslöser sind. Die Epigenetik steckt noch in den Kinderschuhen, aber meiner Meinung nach wird sie den pseudowissenschaftlichen Psychiatern und der Pharma-Lobby in Zukunft das Leben schwer machen, da sie imstande ist, die Nutzlosigkeit der eingesetzten Psychopharmaka wissenschaftlich zu belegen. Dass es eine Menge Leute gibt, die das nicht wollen, ist klar, aber man sollte sich diesem Gebiet keinesfalls verschließen, denn es ist die Zukunft der Medizin und wird auch die Gentechnik, wie wir sie kennen obsolet machen

  16. Wer sich in dieses Thema einlesen will, dem empfehle ich mal folgendes Heft: Spektrum der Wissenschaft, Spezial Biologie – Medizin – Hirnforschung 2/2013

  17. Dass sich daraus ergeben soll, dass es beispielsweise kein ADHS gibt, ist unlogisch.

    Sehe ich auch so.

    Die Epigenetik steckt noch in den Kinderschuhen, aber meiner Meinung nach wird sie den pseudowissenschaftlichen Psychiatern und der Pharma-Lobby in Zukunft das Leben schwer machen

    Nun ja. Psychiater als pseudowissenschaftlich zu bezeichnen, halte ich für zumindest gewagt. Dass eine junge Wissenschaft als „Gefahr“ für die aktuelle Psychiatrie anzusehen ist, glaube ich nicht, ebenso wenig wie für die Pharma-Branche.

    da sie imstande ist, die Nutzlosigkeit der eingesetzten Psychopharmaka wissenschaftlich zu belegen.

    Da der Nutzen der meisten Psychopharmaka bereits belegt ist, erscheint das eher unwahrscheinlich. Wenn man für Offenheit gegenüber einem neuem wissenschaftlichen Fachgebiet (wie der Epigenetik) wirbt, dann ist es unlogisch, sich einem bereits stärker erforschten wissenschaftlichen Gebiet (wie der Psychopharmakotherapie) zu verschließen. Zweifellos wird es Weiterentwicklungen/Verbesserungen in der Therapie psychischer Erkrankungen geben, sicherlich auch neue Therapieansätze. Aber das ist zu erwarten und steht nicht zwangsläufig im Gegensatz zu vorhandenen Erkenntnissen.

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