20 Jahre Mauerfall

Als die Mauer an der deutsch-deutschen Grenze fiel, war ich gerade mal sieben Jahre alt. Daher kann ich mich nicht mehr genau dran erinnern. Aber ich weiß, dass es für die Menschen der DDR ein enorm bewegendes Ereignis war, wohl auch, weil keiner damit rechnen konnte. Man muss sich mal vorstellen, was es bedeutet, Jahre lang so gut wie eingesperrt zu sein in einem Überwachungsstaat ohne Meinungsfreiheit und einem System, das kaum freie Entfaltung ermöglicht. So erlebten es viele Menschen, und ich kann mir es nur schwer vorstellen, wie das gewesen sein muss.

Anlässlich des 60-jährigen Bestehens der Bundesrepublik Deutschland hat die ARD eine sehr zu empfehlende Sendereihe produziert, die jedes einzelne Jahr BRD-Geschichte dokumentiert. Ich habe noch lang nicht alle Sendungen gesehen, aber von den bisherigen fand ich das Jahr 1989, das Jahr des Mauerfalls, am ergreifendsten. Besonders den Moment, in dem Hans-Dietrich Genscher die Ausreisegenehmigung an die ostdeutschen Flüchtlinge in der Prager Botschaft verkündet. Schon ein bisschen Wahnsinn. Wer diese Bilder noch nicht kennt, der sollte sich das unbedingt anschauen (Link unten).

Der Mauerfall und die Deutsche Einheit waren ein Sieg der Freiheit und  der Demokratie. Wie gesagt, ich selbst war damals noch zu klein, um genügend Erinnerungen aus dieser Zeit zu haben. Aber ein paar Erinnerungen aus der DDR an sich habe ich natürlich trotzdem, und ich werde sie wahrscheinlich demnächst hier auf dem Blog einmal niederschreiben …

Das Jahr 1989 (hier klicken)

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Auch noch interessant:

Doku von Spiegel-TV mit vielen Originalaufnahmen am Ort des Geschehens

und

Deutsche sind stolz auf ihr land (Zeit Online):

>>Die unterschiedlichen Ansichten zwischen Ost- und Westdeutschen in Bezug auf die demokratischen Werte sind äußerst gering.<<

>>Wie es im Untersuchungsbericht der Konrad-Adenauer-Stiftung heißt, legen die Ergebnisse den Schluss nahe, dass die Linke „nicht wegen, sondern trotz ihrer politischen Forderungen“ aus Protest unterstützt wird.<< (interessant, weil es gerade im „Osten“ viele Anhänger der Linken gibt)

12 Gedanken zu “20 Jahre Mauerfall

  1. Anfang 1989 schrieb ich in einer Seminararbeit darüber, dass die deutsche Einheit ein unrealistischer Wunschtraum sei, der sich in absehbarer Zeit auf gar keinen Fall erfüllen werde. Und nur wenig später saß ich heulend vor Rührung vor dem Fernseher und sah, dass ich mich geirrt hatte. Eine sehr schöne Erinnerung! Damals dachte ich mir, wir hätten vielleicht das eine oder andere aus „dem Osten“ übernehmen können, was unsere alte Burep ein wenig menschlicher und gerechter gemacht hätte.

  2. Ich war begeistert über die Demonstrationen in der DDR. DAS VOLK SIND WIR Ich war erschrocken über das was nach dem Fall der Mauer kam und konnte mich der Euphorie nicht anschließen. Mit dem kalten Krieg groß geworden und einer Mutter die aus dem Osten stammte, war ich überzeugt davon, dass der Mensch einen Aussenfeind braucht.
    Zusätzlich war ich davon überzeugt, dass ostdeutsches Denken und westdeutsches Denken sich kaum verträgt. Seitdem arbeite ich an diesem Verständnis für einander und versuche das Phänomen der Mauer in unseren Köpfen aufzulösen.

  3. Ich glaube, der Fall der Mauer war für die meisten Ostdeutschen eine Erlösung. Aber kaum einer hatte mit den Problemen nach der Wiedervereinigung gerechnet, auch nicht im Westen.

    Was die unterschiedlichen Denkweisen betrifft, muss man wissen, dass die DDR-Bürger permanent indoktriniert wurden, was spätestens in der Schule begann. Ich selbst war noch Jungpionier und habe in der ersten Klasse einen Eid geschworen, den ich gar nicht verstand. Daher gab es genügend Menschen, die das dann irgendwann auch geglaubt haben. Und die, die selber denken konnten (und es auch gemacht haben), mussten aufpassen, was sie sagten, denn selbst der beste Freund oder der Bruder/die Schwester hätten Stasi-Spitzel sein können. Nach der Wende, als die Akten offen gelegt wurden, sind manche Familien auseinander gebrochen, weil einer ein Stasi-Spitzel war.

    Und natürlich wussten die Ossis nichts über Marktwirtschaft. Das hat zu den Problemen danach mit beigetragen.

    Daran, wie extrem manchmal die Unterschiede waren, sieht man, was jahrelange Indoktrination und Isolation anrichten können.

  4. Ich war hier in einer Friedensinitiative, da waren die meisten davon überzeugt, dass es sich nur um miese CDU Propaganda gehandelt hätte was sich nach dem Fall der Mauer als Tatsache heraus gestellt hat. Ich hab damals nur mit Kopf geschlackert und nicht verstanden, wie naiv die Leute gewesen sind.

    Kurze Zeit später besuchte ich ein Seminar für soziale Belange und unter lauter Wessis war auch eine Frau aus der DDR. Die Frau tat mir richtig leid, wie sehr sie versuchte sich sofort in eine „erwartete“ Rolle zu schlüpfen und sie stieß auf deutliche Ablehnung, jedenfalls in meiner Gegenwart geäußert, der übrigen Teilnehmer. Mein Versuch um Verständnis zu werben scheiterte kläglich, die Kollegen hatten keins.
    Ich hatte auch nie Verständnis dafür, wenn uns in der Schule von der bösen DDR erzählt wurde, dass die Kinder schon im Kindergarten indoktriniert wurden für die kommunistischen Ideen. Ich habe immer gefunden, dass machte die Kirchen hier doch genau das selbe. So bleibe ich vermutlich ein Mensch, der immer zwischen zwei Stühlen sitzt.
    Vertu Dich nicht, die Verdrängung der Gefühle findet auf beiden Seiten statt und darin liegt die größte Gefahr für die Zukunft.

  5. Da hab mal keine Sorge. Ich war noch viel zu klein, als dass ich irgendwas Schlimmes erlebt hätte, das ich verdrängen müsste. Wie gesagt, die Bedeutung von vielem wurde mir erst später klar. Die Indoktrination, die ich erlebte, war ja nicht gewaltsam. Aber aus der heutigen Perspektive erkenne ich halt schon, dass fast jede Gelegenheit wahrgenommen wurde, um schon den Kindern einzubläuen, dass Sozialismus was Gutes ist. Ich war z. B. in einer „Wilhelm-Pieck-Schule“ (davon gab es einige), wir haben in der ersten Klasse auf einem Wandertag eine „Ernst-Thälmann-Statue“ besucht (und dann wurde uns erzählt, was er tolles geleistet hat), wir lasen Kindergeschichten, in denen es versteckt um Sozialismus ging usw. usw. Also nichts Traumatisierendes, aber vom ersten Tag an eine Gehirnwäsche.

  6. Sorry das ich widerspreche!
    Vom ersten Tag an eine Gehirnwäsche ist ein Trauma schlechthin.
    Ich hatte jetzt in einem Forum Kontakt zu einem Mann, der hatte als Signatur: „Wer eine Gehirnwäsche erlebt hat, der überlebt auch ein Schleudertrauma…..“
    Den habe ich gleichzeitig wie ein rohes Ei behandelt und hart angefasst. Es stellte sich heraus, dass er genau wie ich eine Nazimutter hatte. Mit so einer Frau hat ein Mensch sein ganzes Leben lang zu tun.

  7. Irgendwie suchst Du die Konfrontation, oder? Häng Dich mal nicht so an dem Begriff Gehirnwäsche auf. Nenn‘ es von mir aus Manipulation. Oder wie auch immer. Jedenfalls war es nichts Traumatisierendes. Das kann ich schon einschätzen.

  8. Was mir gerade einfällt: Ohne die Wende wäre ich möglicherweise immer noch nicht diagnostiziert. Oder ich wäre diagnostiziert, hätte aber keine Möglichkeit gehabt, an die richtigen Medikamente zu kommen. Das wäre schrecklich. (Ist nicht ganz das Thema, ich weiß.)

  9. Wobei ich finde, dass diese Mauern in den Köpfen gar nicht mehr so groß sind, vor allem bei der jungen Bevölkerung. Trotzdem muss sich da noch einiges ändern. Die Löhne sind immer noch nicht gleich, die Arbeitslosigkeit ist höher im Osten usw.

  10. Und Deutschlands Waffenproduktion hat sich seit dem Jahr 2000 verdoppelt und Deutschland steht an 3. Stelle als Waffenlieferant der Welt. Der Hauptabnehmer ist die Türkei.

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